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    Gezielte Zucht als Feinbild

    Gefühlt müssen sich seriöse Züchter heutzutage mehr denn je für die bloße Tatsache, dass sie gezielte Zucht betreiben, rechtfertigen und viele Vorwürfe gefallen lassen.

    Von Geldgier über Langeweile bishin zur Ausbeutung gibt es viele Unterstellungen.
    Was mich jedoch am meisten erschreckt ist der zunehmende Hass und eine scheinbar immer extremere Ansicht bei diesem Thema.
    Sehr viele Menschen scheinen, ausgehend von Diskussionen auf Social Media, die Meinung zu vertreten, dass Züchter erheblich zum (Haus)Tierleid beitragen oder sogar der Auslöser dafür sind.

    Es gibt daher auch immer wieder Forderungen von Privatpersonen und Organisationen, die Hundezucht generell zu verbieten.
    Die Konsequenzen, die ein solches Verbot hätte bedenken die meisten vermutlich gar nicht oder wollen es auch nicht.
    Das Problem der Straßenhunde und -katzen sowie Hunden in Tierschutzeinrichtungen, um welches es hauptsächlich geht, wäre damit nicht gelöst, stattdessen würden sehr wahrscheinlich neue Probleme entstehen.

    Was würde mit den hochspezialisierten Hunden passieren, die unzählige Arbeiten für Menschen verrichten?
    Trümmer- oder Lawinensuchhunde, Assistenzhunde, Drogen- und Sprengstoffspürhunde, Hütehunde, Herdenschutzhunde, Warnhunde (z.B. vor einem epileptischen Anfall), Polizeihunde.

    Um diese Eigenschaften und Anlagen zu erhalten ist eine planmäßige und gezielte Zucht notwendig.
    Manch einer wäre vielleicht verleitet zu sagen, dann lässt man diese Rassen zu Arbeitszwecken noch zu.
    Aber wie lange ginge das gut?

    Immerhin wäre die Zahl der Züchter und damit der Zuchthunde stark reduziert, was eine weitere genetische Verarmung und deutlich weniger Selektionsmöglichkeiten bedeuten würde.

    Natürlich können auch Mischlinge diese Aufgaben erfüllen, zumindest solange ausreichend Hunde zur Verfügung stehen. Aber auch diese gäbe es mit Verbot der Zucht bald nicht mehr, denn die betrifft ja nicht nur Rassehunde.
    Selten lässt sich etwas so einfach lösen, wie es auf den ersten Blick scheint.

    „Warum überhaupt züchten? Die Tierheime sind voll, da braucht es das nicht.“
    „Es gibt schon genug Hunde.“
    „Jeder Hund vom Züchter nimmt einem anderen das Zuhause weg.“
    „Hol dir lieber einen Hund aus dem Tierschutz.“

    Solche oder ähnliche Sätze kann man auf allen möglichen Plattformen immer wieder lesen.
    Dass ein Hund vom Züchter den Platz eines anderen weg nimmt wird häufig so dargestellt, als wäre es eine Tatsache.
    Meine Hunde nehmen allerdings keinem anderen etwas weg, denn wenn es sie nicht gäbe, dann gar keinen, da für mich ein Tierschutzhund nicht mehr in Frage kommt.

    Für mich soll es nicht irgendein Hund sein, nur damit ich einen habe. Er muss zu mir und meinem Leben passen, denn sonst ist keinem von beiden geholfen.

    Dass es zu viele Hunde gibt, dem stimme ich zu, aber nicht aufgrund seriöser Züchter, sondern hauptsächlich wegen verantwortungslosen Käufern/Haltern.

    Weil diese ihre Hunde aussetzen, fahrlässig oder unüberlegt handeln oder sich nicht informieren.
    Wie viele „ups Würfe“ sind z.B. echte Unfälle?
    Wie oft wird ein Hund aus fragwürdigen Quellen geholt, weil die Menschen unbedingt jetzt sofort und möglichst einfach einen haben wollen?
    Sobald sich jemand einen Hund anschaffen möchte wird fast immer direkt dazu geraten (um nicht zu sagen gedrängt) einen aus dem Tierschutz zu nehmen.
    An und für sich sehr löblich auf diese Möglichkeit hinzuweisen!
    Aber nicht für jeden Menschen und jede Lebenssituation ist ein Tierheimhund geeignet. Genauso wie nicht jede Rasse zu jedem Menschen passt oder nicht immer ein Welpe die richtige Wahl ist.

    In manchen Fällen ist sogar ein Hund generell nicht das richtige Haustier.
    Was nützt es, wenn sich jemand überreden lässt einen Hund zu „retten“ und diesen aber wieder abgibt, weil er überfordert ist. Gut erzogene, wesensfeste und alltagstaugliche Hunde dürften im Tierheim schwerer zu finden sein.

    Die meisten tragen durch ihre Vorgeschichte ein oder mehrere mehr oder minder schwere Päckchen mit sich.
    Natürlich haben auch diese Hunde ein gutes Leben verdient, aber sie brauchen jemanden, der sich bewusst und gewollt dafür entscheidet.
    Die seriöse Zucht einzustellen würde letztlich bedeuten, dass es nur noch Hunde aus fragwürdigen Quellen und ohne nachvollziehbare Herkunft/Abstammung sowie dem Tierschutz gäbe.

    Und auch dort ist leider nicht alles so seriös und vertrauenswürdig wie man es sich wünscht.
    Ich habe Zweifel, dass dies den ersehnten Effekt bringen würde, Probleme würden sich lediglich verändern und verlagern.
    Oft wird argumentiert, dass das Leid der Tierschutz- und Straßenhunde verringert bzw. gestoppt werden würde, wenn man die Zucht einstellt.
    Jedes Jahr werden tausende Hunde aus dem europäischen Ausland via Tierschutzorganisationen nach Deutschland geholt um ihnen ein vermeintlich besseres Leben zu ermöglichen und die Situation im Ursprungsland zu entschärfen.

    Tierschutz ist sehr wichtig und richtig!

    Aber dennoch bezweifle ich, dass die derzeitige Praxis etwas verbessert. Für den einzelnen Hund durchaus, wenn dieser nun ein sorgenfreies Leben hat (wenngleich auch ziemlich sicher nicht alle Hunde glücklich oder dankbar über ihre „Rettung“ sind).

    Aber wie sieht es vor Ort aus?
    Nimmt die Zahl der Straßenhunde merkbar ab?

    Entnimmt man Hunde der Gruppe, so werden wieder Ressourcen wie Platz und Futter für die Übrigen frei, welche sich dann wiederum stärker vermehren. Am Ende hat man also unter Umständen sogar noch mehr Hunde als zuvor.
    Das Prinzip ist das Gleiche wie bei Wildtieren.
    Viele Ressourcen = starke Vermehrung,
    geringe Ressourcen = Rückgang der Population.

    Teilweise gibt es Kastrationsprogramme, die die unkontrollierte Vermehrung stoppen sollen. Trotzdem besteht das Problem weiter und ein Ende ist nicht in Sicht.

    Auch wenn einem die Hunde mit teils herzzereißenden Texten und Bildern leid tun, sie vor Ort zu belassen würde langfristig vermutlich mehr bewirken.
    Kastraten in die Gruppe zurückzuführen verhindert eine zu starke Vermehrung der noch unkastrierten Tiere.
    Auch so löst sich das Problem natürlich nicht sofort, es würde aber auch nicht schlimmer werden und, wie jetzt, einen Teufelskreis bilden.
    Aber auch hieran sind nicht seriöse Züchter schuld, sondern Halter, die ihre (intakten) Hunde aussetzen oder unkontrolliert umherstreunen lassen, weil es ihnen egal ist.

    Auch gibt es leider „Zuchten“, die absichtlich Welpen produzieren, um sie als vermeintliche Tierschutzhunde gezielt ins Ausland zu verkaufen.
    Daher ist auch hier ganz genau zu schauen wen oder was man mit einer Adoption unterstützt.
    In erster Linie muss vor Ort ein Umdenken und eine Sensibilisierung stattfinden. Alles was geht hierher zu bringen ist leider nicht die Lösung.
    Häufig wird gesagt „unsere Tierheime sind so voll“, bei dieser Praxis werden sie sich aber auch garantiert nie leeren.