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    Gezielte Einkreuzung

    Bei einer Einkreuzung wird in eine geschlossene Population ein Vertreter einer anderen Rasse eingebracht um ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen.

    Auf diese Weise sind auch die heutigen LUA (Low Uric Acid) Dalmatiner entstanden.
    Vor 50 Jahren wurde eine Dalmatinerhündin mit einem Pointerrüden belegt um die Hyperurikosurie (HUU) beim Dalmatiner zu bekämpfen.

    Nach einigen Startschwierigkeiten sind inzwischen schon tolle Erfolge weltweit zu verzeichnen.

    Ich persönlich befürworte gezielte und durchdachte Einkreuzungen mit Rückzüchtungsplänen, sprich, die entstandenen Hybride werden in folgenden Generationen wieder mit reinrassigen Hunden verpaart.

    Vorteile liegen darin, dass man z.B. gesundheitliche Probleme (die in der Partnerrasse nicht vorkommen) langfristig bekämpfen kann. Außerdem wird dem geschlossenen Genpool neues Material hinzugefügt, was sich sehr positiv auswirken kann.

    Auch optisch können natürlich gewünschte Eigenschaften damit beeinflusst werden wie z.B. eine längere Schnauze, Größe verringern oder erhöhen und vieles mehr.

    Natürlich könnte man sich aber auch ungewollt neue Krankheiten oder Defekte in die Rasse holen.
    Entsprechende Sorgfalt ist hier unter Umständen noch wichtiger als in der Reinzucht.

    Eine lückenlose Dokumentation ist auch hier sehr wichtig um Erfolge und mögliche Rückschritte nachverfolgen und darauf reagieren zu können.

    Um eine Rasse gesund zu erhalten sind meiner Meinung nach Einkreuzungen von Zeit zu Zeit ein hilfreiches, aber häufig vehement abgelehntes Instrument.

    Nicht in diese Kategorie fallen für mich Verpaarungen, die einfach nur „hübsche Welpen“ hervorbringen sollen, Ups Würfe oder Designerhunde, die immer wieder aus den Ausgangsrassen gezüchtet werden und hinter denen oftmals (nicht immer) keine weiterführenden Zuchtbestrebungen stehen.

    Wie steht ihr dazu?
    Würdet ihr einen Welpen aus einer planmäßigen Einkreuzung kaufen und ein solches Projekt unterstützen?
    Falls nein, was würde dagegen sprechen?
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    Epilepsie

    Ein Thema, dass mir aktuell noch mehr Sorgen bereitet als erbliches Nierenversagen ist die, ebenfalls erbliche, idiopathische Epilepsie.

    Epi gibt es in allen Rassen und Mischlingen, bei einigen seltener, bei anderen häufiger.

    In meiner Zucht gab es (soweit ich weiß) bisher noch keinen Epilepsiefall. Dennoch kann ich mich nie ganz in Sicherheit wissen.
    Insbesondere die Entwicklung in der deutschen Dalmatinerzucht macht mir Bauchschmerzen.

    Immer häufiger sehe ich Würfe, bei denen Linienzucht auf Epileptiker oder Epivererber gemacht wird und diese in den ersten 5-7 Generationen gerne Mal 4,5 oder sogar 6 Mal vorkommen 😔

     

    Ich befürchte, dass, wenn es so weitergeht, dem Dalmatiner innerhalb der nächsten Jahre eine Epilepsie-Welle drohen könnte.
    Ich habe den Eindruck, dass allzu sorglos damit umgegangen wird und erst Recht nicht bedacht wird was das für die Zukunft bedeutet.
    Noch dazu wird viel verschwiegen und nur wenige Epilepsie Fälle werden bekannt gemacht, die Dunkelziffer dürfte um einiges höher sein …

    Dies macht es noch schwerer risikoarme Verpaarungen zu planen 😔

     

    Epilepsie ist eine furchtbare Krankheit und ich bin dahingehend derzeit verunsichert und etwas entmutigt. Ich habe das Gefühl, dass es immer schwerer und komplizierter wird gesunde Hunde zu züchten.

     

    Hat hier vielleicht sogar jemand einen betroffenen Dalmatiner oder kennt einen?
    Falls ja wäre ich sehr dankbar für eine Nachricht!
  • Allgemein

    Mietzucht

    Mir ist bewusst, dass dies ein heikles Thema ist welches oft sehr emotional diskutiert wird.
    Dennoch halte ich es für wichtig darüber zu sprechen, da ich oft den Eindruck habe, dass Mietzucht als eine Art Schreckgespenst wahrgenommen wird.
    Ich denke vielfach mangelt an einer guten Kommunikation, wodurch schnell Missverständnisse entstehen.
    Nur wer Bescheid weiß kann sinnvoll entscheiden, ob so etwas für ihn in Frage kommt oder nicht.
    Dies ist nur ein grober Überblick, weitere Aspekte folgen in den nächsten Teilen.
    ➡️ Was versteht man unter Mietzucht?
    Darunter versteht man den Einsatz einer Hündin, welche nicht dauerhaft beim Züchter lebt.
    Sie zieht während der Trächtigkeit zum Züchter, zieht dort ihre Welpen auf und geht dann zurück in ihre eigentliche Familie.
    Die Hündin wird also tatsächlich für einen Wurf „gemietet“ (was keinesfalls negativ zu verstehen ist).
    ➡️ Worin liegt der Sinn einer Mietzucht?
    Gute Hündinnen können so dem Genpool zur Verfügung stehen, auch wenn die Besitzer selbst nicht züchten möchten oder können.
    Da auch seriöse Züchter nicht beliebig viele eigene Hunde halten können, besteht unter den richtigen Voraussetzungen so die Möglichkeit dennoch einen größeren Genpool nutzen zu können.
    ➡️ Mietzucht = Mitbesitz?
    Nein, nicht zwangsläufig.
    Tatsächlich behalten viele Züchter Hunde, die sie selbst zur Zucht einsetzen möchten, vertraglich im Mitbesitz, damit sie mehr Kontrolle haben.
    Aber Mietzucht ist auch möglich, wenn sich die Hündin komplett im Eigentum ihrer eigentlichen Familie befindet, das ist lediglich abzusprechen.
    Ich persönlich gebe grundsätzlich keine Hunde im Mitbesitz ab, weil ich unter dieser Bedingung selbst auch keinen Hund kaufen würde.
    ➡️ Welche Vorteile bietet Mietzucht?
    1) Es können mehr Hündinnen zur Zucht zur Verfügung stehen und dadurch ein größerer Genpool sowie mehr Selektionsmöglichkeiten in der Rasse.
    2) Insbesondere im Bezug auf die Erhaltung und Verbreitung von (noch) seltenen Genen wie z.B. LUA, Lemon oder Langhaar kann so eine breitere Basis geschaffen werden.
    3) Ein Züchter kann eine bewährte Linie weiterführen, auch wenn er gerade keine neuen eigenen Hunde behalten kann, z.B. aus Zeit- oder Platzgründen. Je mehr Hunde, desto mehr spielt auch der finanzielle Aspekt der Haltung noch eine Rolle.
    4) Die Verantwortung und das Risiko für den Wurf und die Vermittlung trägt der Züchter.
    5) Die Besitzer können auf Wunsch unkompliziert und ohne eigenen Aufwand einen Nachkommen ihrer Hündin bekommen.
    6) Manche Hündinnenbesitzer nutzen die Zeit der Welpenaufzucht um z.B. einen Urlaub zu machen, denn so ist die Hündin schon in guten Händen untergebracht.
    7) Je nach Züchter erhält der Besitzer pro Welpe oder Wurf auch eine finanzielle Entschädigung für die „Nutzung“ seiner Hündin oder andere vereinbarte Vorteile.
    ➡️ Welche potenziellen Nachteile hat Mietzucht?
    1) Als Züchter kennt man die Hündin unter Umständen nicht ganz so genau als wenn es die Eigene wäre.
    2) Sofern vorab nicht alles genau geregelt wurde kann es zu Streitigkeiten und Uneinigkeit zwischen Züchter und Besitzer kommen.
    3) Es besteht ein Risiko (wie allerdings immer), dass Komplikationen während der Trächtigkeit, Geburt oder Aufzucht auftreten. Die Hündin kann erkranken oder im schlimmsten Fall sogar sterben. Dessen müssen sich beide Parteien bewusst sein.
    Gerade bei Schwierigkeiten sollte eine solide Vertrauensbasis und gute Kommunikation bestehen um Vorwürfe zu vermeiden.
    4) Die Hündin ist 9-10 Wochen beim Züchter, nicht jeder (Mensch) kommt damit gut zurecht.
    Wenn ich plane eine Hündin aus einem eigenen Wurf zur potenziellen Mietzucht abzugeben, dann sage ich das zum entsprechenden Welpen beim Besuch direkt dazu. Natürlich dürfen die Interessenten auch gerne ein paar Tage in Ruhe darüber nachdenken, schließlich sollten sie sich mit der Entscheidung wirklich wohlfühlen.
    Von Ciri’s (Erst)Besitzern und von Ella’s Besitzerin wurde es mir von ihnen aus angeboten ❤️ ich weiß diese Möglichkeit sehr zu schätzen!
    Im Gegenzug erwarte ich jedoch auch, dass man mir gegenüber ehrlich ist und nicht ja sagt, nur um den Hund zu bekommen.
    Früher habe ich solche Vereinbarungen nur mündlich und auf Vertrauensbasis gemacht.
    Da dies jedoch bis auf einmal nicht funktioniert hat, mache ich es inzwischen zum vertraglichen Bestandteil.
    Immer vorausgesetzt, dass die Hündin sich gesundheitlich und charakterlich später tatsächlich zur Zucht eignet.
    Wenn die Hündin 15-18 Monate alt ist stehen die Untersuchungen wie HD, ED, OCD, Spondylose und Gentests an, welche ich bezahle.
    Wenn alles passt bespreche ich die erste Belegung mit den Besitzern und mit Beginn der Läufigkeit schließen wir einen schriftlichen Vertrag in dem alle Einzelheiten geklärt sind wie Eigentum am Wurf, wer für die Kosten aufkommt, was im Fall des Falles passiert und so weiter.
    Finanziell komme ich für die Zuchtuntersuchungen, Decktaxe, alles rund um die Geburt, nötige Untersuchungen im Zusammenhang mit der Trächtigkeit und alle Kosten welche die Welpen verursachen auf.
    Außerdem erhalten die Besitzer von mir eine Entschädigung pro Welpe, eine Leihgebühr sozusagen 😉
    Ich kümmere mich um die Deckung und nehme die Hündin spätestens 10 Tage vor dem Wurftermin zu mir.
    Der Besitzer darf/soll bei der Geburt dabei sein und wird während der Aufzucht engmaschig auf dem Laufenden gehalten.
    Nach der Wurfabnahme darf die Hündin wieder nach Hause gehen. Es handelt sich also um einen Zeitraum von rund 9 Wochen.
    Keine der bei mir eingesetzten Hündinnen ist mir fremd, sie kennen mich und meine Hunde im Voraus.
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    Gezielte Zucht als Feinbild

    Gefühlt müssen sich seriöse Züchter heutzutage mehr denn je für die bloße Tatsache, dass sie gezielte Zucht betreiben, rechtfertigen und viele Vorwürfe gefallen lassen.

    Von Geldgier über Langeweile bishin zur Ausbeutung gibt es viele Unterstellungen.
    Was mich jedoch am meisten erschreckt ist der zunehmende Hass und eine scheinbar immer extremere Ansicht bei diesem Thema.

    Sehr viele Menschen scheinen, ausgehend von Diskussionen auf Social Media, die Meinung zu vertreten, dass Züchter erheblich zum (Haus)Tierleid beitragen oder sogar der Auslöser dafür sind.

    Es gibt daher auch immer wieder Forderungen von Privatpersonen und Organisationen, die Hundezucht generell zu verbieten.
    Die Konsequenzen, die ein solches Verbot hätte bedenken die meisten vermutlich gar nicht oder wollen es auch nicht.

    Das Problem der Straßenhunde und -katzen sowie Hunden in Tierschutzeinrichtungen, um welches es hauptsächlich geht, wäre damit nicht gelöst, stattdessen würden sehr wahrscheinlich neue Probleme entstehen.

    Was würde mit den hochspezialisierten Hunden passieren, die unzählige Arbeiten für Menschen verrichten?

    Trümmer- oder Lawinensuchhunde, Assistenzhunde, Drogen- und Sprengstoffspürhunde, Hütehunde, Herdenschutzhunde, Warnhunde (z.B. vor einem epileptischen Anfall), Polizeihunde.

    Um diese Eigenschaften und Anlagen zu erhalten ist eine planmäßige und gezielte Zucht notwendig.
    Manch einer wäre vielleicht verleitet zu sagen, dann lässt man diese Rassen zu Arbeitszwecken noch zu.

    Aber wie lange ginge das gut?

    Immerhin wäre die Zahl der Züchter und damit der Zuchthunde stark reduziert, was eine weitere genetische Verarmung und deutlich weniger Selektionsmöglichkeiten bedeuten würde.

    Natürlich können auch Mischlinge diese Aufgaben erfüllen, zumindest solange ausreichend Hunde zur Verfügung stehen. Aber auch diese gäbe es mit Verbot der Zucht bald nicht mehr, denn die betrifft ja nicht nur Rassehunde.

    Selten lässt sich etwas so einfach lösen, wie es auf den ersten Blick scheint.

    „Warum überhaupt züchten? Die Tierheime sind voll, da braucht es das nicht.“
    „Es gibt schon genug Hunde.“
    „Jeder Hund vom Züchter nimmt einem anderen das Zuhause weg.“

    „Hol dir lieber einen Hund aus dem Tierschutz.“

    Solche oder ähnliche Sätze kann man auf allen möglichen Plattformen immer wieder lesen.
    Dass ein Hund vom Züchter den Platz eines anderen weg nimmt wird häufig so dargestellt, als wäre es eine Tatsache.

    Meine Hunde nehmen allerdings keinem anderen etwas weg, denn wenn es sie nicht gäbe, dann gar keinen, da für mich ein Tierschutzhund nicht mehr in Frage kommt.

    Für mich soll es nicht irgendein Hund sein, nur damit ich einen habe. Er muss zu mir und meinem Leben passen, denn sonst ist keinem von beiden geholfen.

    Dass es zu viele Hunde gibt, dem stimme ich zu, aber nicht aufgrund seriöser Züchter, sondern hauptsächlich wegen verantwortungslosen Käufern/Haltern.

    Weil diese ihre Hunde aussetzen, fahrlässig oder unüberlegt handeln oder sich nicht informieren.
    Wie viele „ups Würfe“ sind z.B. echte Unfälle?
    Wie oft wird ein Hund aus fragwürdigen Quellen geholt, weil die Menschen unbedingt jetzt sofort und möglichst einfach einen haben wollen?
    Sobald sich jemand einen Hund anschaffen möchte wird fast immer direkt dazu geraten (um nicht zu sagen gedrängt) einen aus dem Tierschutz zu nehmen.
    An und für sich sehr löblich auf diese Möglichkeit hinzuweisen!

    Aber nicht für jeden Menschen und jede Lebenssituation ist ein Tierheimhund geeignet. Genauso wie nicht jede Rasse zu jedem Menschen passt oder nicht immer ein Welpe die richtige Wahl ist.

    In manchen Fällen ist sogar ein Hund generell nicht das richtige Haustier.

    Was nützt es, wenn sich jemand überreden lässt einen Hund zu „retten“ und diesen aber wieder abgibt, weil er überfordert ist. Gut erzogene, wesensfeste und alltagstaugliche Hunde dürften im Tierheim schwerer zu finden sein.

    Die meisten tragen durch ihre Vorgeschichte ein oder mehrere mehr oder minder schwere Päckchen mit sich.
    Natürlich haben auch diese Hunde ein gutes Leben verdient, aber sie brauchen jemanden, der sich bewusst und gewollt dafür entscheidet.

    Die seriöse Zucht einzustellen würde letztlich bedeuten, dass es nur noch Hunde aus fragwürdigen Quellen und ohne nachvollziehbare Herkunft/Abstammung sowie dem Tierschutz gäbe.

    Und auch dort ist leider nicht alles so seriös und vertrauenswürdig wie man es sich wünscht.
    Ich habe Zweifel, dass dies den ersehnten Effekt bringen würde, Probleme würden sich lediglich verändern und verlagern.
    Oft wird argumentiert, dass das Leid der Tierschutz- und Straßenhunde verringert bzw. gestoppt werden würde, wenn man die Zucht einstellt.

    Jedes Jahr werden tausende Hunde aus dem europäischen Ausland via Tierschutzorganisationen nach Deutschland geholt um ihnen ein vermeintlich besseres Leben zu ermöglichen und die Situation im Ursprungsland zu entschärfen.

    Tierschutz ist sehr wichtig und richtig!

    Aber dennoch bezweifle ich, dass die derzeitige Praxis etwas verbessert. Für den einzelnen Hund durchaus, wenn dieser nun ein sorgenfreies Leben hat (wenngleich auch ziemlich sicher nicht alle Hunde glücklich oder dankbar über ihre „Rettung“ sind).

    Aber wie sieht es vor Ort aus?

    Nimmt die Zahl der Straßenhunde merkbar ab?

    Entnimmt man Hunde der Gruppe, so werden wieder Ressourcen wie Platz und Futter für die Übrigen frei, welche sich dann wiederum stärker vermehren. Am Ende hat man also unter Umständen sogar noch mehr Hunde als zuvor.
    Das Prinzip ist das Gleiche wie bei Wildtieren.
    Viele Ressourcen = starke Vermehrung,

    geringe Ressourcen = Rückgang der Population.

    Teilweise gibt es Kastrationsprogramme, die die unkontrollierte Vermehrung stoppen sollen. Trotzdem besteht das Problem weiter und ein Ende ist nicht in Sicht.

    Auch wenn einem die Hunde mit teils herzzereißenden Texten und Bildern leid tun, sie vor Ort zu belassen würde langfristig vermutlich mehr bewirken.
    Kastraten in die Gruppe zurückzuführen verhindert eine zu starke Vermehrung der noch unkastrierten Tiere.
    Auch so löst sich das Problem natürlich nicht sofort, es würde aber auch nicht schlimmer werden und, wie jetzt, einen Teufelskreis bilden.

    Aber auch hieran sind nicht seriöse Züchter schuld, sondern Halter, die ihre (intakten) Hunde aussetzen oder unkontrolliert umherstreunen lassen, weil es ihnen egal ist.

    Auch gibt es leider „Zuchten“, die absichtlich Welpen produzieren, um sie als vermeintliche Tierschutzhunde gezielt ins Ausland zu verkaufen.
    Daher ist auch hier ganz genau zu schauen wen oder was man mit einer Adoption unterstützt.
    In erster Linie muss vor Ort ein Umdenken und eine Sensibilisierung stattfinden. Alles was geht hierher zu bringen ist leider nicht die Lösung.
    Häufig wird gesagt „unsere Tierheime sind so voll“, bei dieser Praxis werden sie sich aber auch garantiert nie leeren.
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    Züchterwahl/Welpenkauf

    Gut gedacht ist halb gemacht 🙂 daher geht es zu allererst um euch selbst!

    Um eine gute Entscheidung treffen zu können und es euch sowie dem Züchter zu erleichtern, solltet ihr euch vorab einige Fragen stellen und dazu Gedanken machen.

    Je besser informiert und vorbereitet ihr seid desto einfacher 🙂

     

    Ich habe euch daher ein paar Fragen aufgelistet, die meiner Meinung nach wichtig sind.

    Die Kernfrage ist jedoch „Was genau möchte ich und kann ich damit später wirklich umgehen?“

    ➡️ Welche Rasse soll es werden und warum?
    ➡️ Passt die Rasse von Wesen, Anspruch, Größe und Pflegeaufwand voraussichtlich zu mir?
    ➡️ Habe ich genügend Zeit und finanzielle Mittel um mich angemessen um den Hund/Welpen zu kümmern?
    ➡️ Gibt es ein Wunschgeschlecht? Wenn ja warum?
    ➡️ Welche Anforderungen/Wünsche habe ich an den zukünftigen Hund (z.B. Begleiter, Sporthund, Ausbildungen, Zucht)?
    ➡️ Gibt es optische Präferenzen wie Farbe/Felllänge? Ggf. ist mit langen Wartezeiten oder noch intensiverer Suche zu rechnen. Bin ich dazu bereit?
    ➡️ Sind alle Familienmitglieder mit der Anschaffung einverstanden?
    ➡️ Bei Mietern: Wurde die Hundehaltung für die Wohnung/das Haus genehmigt?
    ➡️ Welche Entfernung bin ich bereit auf mich zu nehmen? Kommt ggf. auch ein Import in Frage?
    ➡️ Wie sollten die Eltern meines zukünftigen Hundes im Idealfall sein (Wesen und Typ, mit Arbeitsprüfung oder Showchampions)?
    ➡️ Soll der Hund aus einem bestimmten Verein/Verband sein?
    ➡️ Welche Anforderungen/Wünsche habe ich an den Züchter? Womit fühle ich mich wohl und mit was könnte ich mich nicht arrangieren?
    ➡️ Was ist mir bei der Welpenaufzucht wichtig?
    ➡️ Bin ich bereit eine (längere) Wartezeit in Kauf zu nehmen?
    ➡️ Wie möchte ich meinen Hund ernähren?
    ➡️ Ein Welpe kann anstrengender sein als erwartet, kann ich Geduld und Durchhaltevermögen aufbringen?

    ➡️ Bin ich bereit mich vom Züchter bei der Auswahl beraten/leiten zu lassen oder möchte ich unbedingt selbst entscheiden?

    Die Anschaffung eines Hundes, sollte immer gut überlegt sein und nie aus einer Laune heraus erfolgen.

    Ihr übernehmt Verantwortung für ein Lebewesen, welches auf euch angewiesen ist!

    Wenn ihr nun wisst was ihr euch vorstellt kann die Suche nach dem passenden Züchter losgehen 🙂

    Die beste Anlaufstelle um Züchter zu finden und sich einen Überblick zu verschaffen sind die Rassevereine. Hier sind in der Regel alle Züchter und Deckrüden aufgelistet, die im jeweiligen Verein Mitglied sind.

    Auch außerhalb eines Vereins könnt ihr durchaus einen engagierten und verantwortungsvollen Züchter finden, die Wahrscheinlichkeit dafür ist jedoch sehr viel geringer als in einem entsprechenden Verein.

    Die meisten Züchter haben eine Homepage und/oder einen Social Media Auftritt wodurch man sich gut einen ersten Eindruck machen kann.

    Ich persönlich empfinde viele Seiten jedoch als wenig informativ und zu knapp gehalten. Gerade zu den Zuchthunden sowie zu geplanten und vorherigen Würfen könnten die Infos deutlich umfangreicher sein. Dies würde eine Vorauswahl erleichtern.
    Bei Züchtern ohne Internetpräsenz muss es über den klassischen Weg gehen: Telefon oder E-Mail.

    Auch Ausstellungen können eine Möglichkeit sein direkt in persönlichen Kontakt mit Züchtern zu kommen und dabei einen oder mehrere seiner Hunde live zu sehen.

    Für ausführliche und ruhige Gespräche ist dort aber unter Umständen keine Zeit.
    Wer unschlüssig ist kann auch in Foren oder in Hunde-/Rassegruppen auf Social Media Plattformen nach Empfehlungen fragen.

    Die Empfehlungen sind in dem Fall natürlich immer subjektiv und sollten keinesfalls eine weitergehende Recherche ersetzen, sondern eher als Einstieg oder Hilfestellung betrachtet werden.

    Hier muss man zudem mit „Nörglern“ rechnen, die bestimmte Vereine nicht gutheißen oder Menschen, die ihren Unmut kundtun, weil sie gezielte Hundezucht generell nicht gut finden.

    Ihr könnt auch, als passive Suche, in Haustierportalen eine Anzeige schalten, in der ihr direkt eure Wünsche und Vorstellungen beschreibt. So können sich eventuell passende Züchter bei euch melden.

    Zumindest derzeit (aufgrund der pandemiebedingten hohen Nachfrage) wären die Erfolgsaussichten damit aber vermutlich sehr gering.
    Gebt euch Zeit für die Suche, vergleicht Züchter und lasst es auf euch wirken.

    Heute geht es darum auf was ihr achten solltet bzw. könnt um einen seriösen Züchter zu finden.

    ➡️ Wurden die Eltern auf rassespezifische Krankheiten untersucht (z.B. Röntgen, Gentests etc.)? Wenn ja, nur die Pflichtuntersuchungen oder mehr? Wie lauten die Ergebnisse?
    Auf diesen Punkt kann man leider nicht oft genug hinweisen, denn Gesundheit ist das höchste Gut!
    ➡️ Werden die Welpen vor der Abgabe auf rassespezifische Krankheiten getestet (sofern nötig)?
    Beim Dalmatiner ist dies z.B. die AEP, bei anderen Rassen ein MDR1 Test oder Augenuntersuchungen.
    ➡️ Gibt der Züchter bereitwillig eine ausführliche und ehrlich wirkende Wesensbeschreibung seiner Hunde?
    ➡️ Gibt der Züchter auf Nachfrage Auskunft über bisher aufgetretene Probleme bei seiner Nachzucht und den Ahnen seiner Zuchthunde?
    ➡️ Ist ein unverbindliches Kennenlernen des Züchters und seiner Hunde möglich?
    ➡️ Steht der Züchter auch vor und nach der Abgabe beratend zur Seite?
    Ein kompetenter Ansprechpartner kann vieles erleichtern.
    ➡️ Dürft ihr, falls nicht schon im voraus geschehen, die Mutter sehen?
    Wenn nicht, warum?
    ➡️ Könnt ihr auf Wunsch die Welpen mehrfach besuchen?
    ➡️ Könnt ihr auf Nachfrage die Originaldokumente seiner Hunde einsehen (Stammbaum, Gesundheitsauswertungen)?
    Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!
    ➡️ Gibt es einen schriftlichen Kaufvertrag?
    Den ihr im Idealfall vor der Abgabe einsehen könnt, um zu schauen ob ihr mit allen Regelungen einverstanden seid?
    ➡️ Betreibt der Züchter Inzucht/Inzest? Falls ja, fühlt ihr euch damit wohl?
    ➡️ Wie ist der erste Eindruck?
    ➡️ Ist der Züchter an euch interessiert und stellt euch Fragen?
    ➡️ Welche Intention zu züchten bzw. welche Zuchtziele hat der Züchter?
    Sagen euch diese zu?
    ➡️ Bekommen alle Welpen des Wurfes einen Stammbaum?

    Wenn ihr für „Papiere“ einen Aufschlag bezahlen sollt, ist dies als unseriös und nicht vertrauenswürdig zu betrachten!

    Die Sozialisierung, die Vorbereitung auf das spätere Leben, ist äußerst wichtig!

    Jeder hätte ihn gern, den unkomplizierten, unerschrockenen Begleiter in (fast) jeder Lebenslage. Ein Hund, auf den man sich verlassen kann und entspannt durchs Leben geht.

    Doch dies passiert nicht automatisch.
    Neben der genetischen Veranlagung spielt die Aufzucht (und damit der Züchter) eine entscheidende Rolle.

    Das „was“ kann je nach Rasse oder Zuchtzweck variieren.

    Die folgenden Fragen beziehen sich hauptsächlich auf einen Begleit-/Familienhund.

    ➡️ Wachsen die Welpen überwiegend im Haus bzw. mit viel menschlichem Kontakt auf?
    Ist der Welpenbereich eher abgeschieden oder mitten im Geschehen?
    ➡️ Lernen sie alltägliche Geräusche, Gerüche und Situationen kennen?
    Z.B. Staubsauger, Besen, Fernseher, klapperndes Geschirr, Musik, Klingel, Straßengeräusche, Knistern, Rascheln
    Verschiedenes Wetter (sofern möglich) wie Sonne, Wind, Regen
    ➡️ Wird mit den Welpen etwas unternommen?
    Z.B. Autofahren, Leinentraining, Kennenlernen des Hauses/Wohnbereiches, je nach Alter auch kleine Ausflüge (Wald, Stadt, Laden, Bahnhof)
    ➡️ Welche Möglichkeiten zum Erkunden und zur Förderung ihrer Fähigkeiten werden geboten?
    Z.B. Wippe,Schaukel, Drehteller (Gewöhnung an sich bewegende Untergründe)
    Verschiedene Untergründe (Rasen, Pflaster, Steine, Sand Fliesen, Teppich)
    Tunnel
    Pool (im Sommer, Gewöhnung an Wasser)
    Bällebad o.ä. (geräuschvolle Berührungen)
    ➡️ Wie bzw. mit was werden die Welpen ernährt?
    ➡️ Gibt es vielleicht sogar Bemühungen im Hinblick auf Stubenreinheit?
    Z.B. expliziter Lösebereich und Loben bei Benutzung von diesem.
    ➡️ Wird bereits mit „medical training“ begonnen?
    Z.B. Krallen schneiden, Ohren und Zähne anschauen, alles anfassen und abtasten lassen, auf der Seite und auf dem Rücken liegen
    ➡️ Was für einen Eindruck machen die Welpen?
    Sind sie neugierig, erkundungsfreudig und aufgeschlossen?
    Oder womöglich ängstlich und sehr zurückhaltend?
    ➡️ Wirken die Welpen und die Zuchtstätte gepflegt?

    Die Vorarbeit des Züchters muss aber natürlich vom neuen Besitzer fortgeführt und ausgebaut werden, der Züchter kann lediglich die Grundlagen legen.

    Der Wunschzüchter ist gefunden und der lang ersehnte Wurf endlich geboren! Wie geht es weiter?
    Noch ist Geduld gefragt, denn seriöse Züchter werden die Welpen nicht schon wenige Tage nach der Geburt fest vergeben.

    Dies hat mehrere Gründe:

    ➡️ Noch ist nicht klar ob alle Welpen überleben
    ➡️ So früh sind keine Aussagen bezüglich Körperbau, Charakter, Augenfarbe oder Hörvermögen möglich und damit auch nicht ob ein Welpe potenziell zuchttauglich wäre
    ➡️ Die Färbung ist, je nach Rasse, noch nicht erkennbar (z.B. die Tupfen beim Dalmatiner, die erst später sichtbar sind)
    Ab der 4. bis 5. Woche können die Welpen in der Regel das erste Mal besucht werden.
    Trotz aller Niedlichkeit solltet ihr die Welpen genau beobachten und dabei eure Kriterien im Kopf haben.
    Häufig heißt es „der Welpe sucht mich aus“.
    Der Welpe, der zuerst zu euch kommt ist eventuell einfach nur besonders mutig oder neugierig, ein Draufgänger und andere sind gerade müde. Euer Besuch ist nur eine kurze Momentaufnahme.
    Im Idealfall kennt der Züchter seine Welpen gut und kann zu jedem etwas sagen und euch bezüglich einer Entscheidung beraten.
    Manche lassen die Interessenten frei entscheiden, andere stellen von vornherein nur Welpen zur Wahl, die sie als passend erachten.
    Manche Züchter teilen die Welpen auch zu, sodass man nur ja/nein sagen kann (was ich persönlich nicht gut finden würde).
    Ist ein Welpe dabei, der charakterlich und optisch euren Vorstellungen entspricht?
    Bittet um etwas Bedenkzeit, ein guter Züchter wird (hoffentlich) nicht auf eine sofortige Entscheidung drängen. 1-2 Nächte darüber zu schlafen ist sinnvoll, immerhin geht es um ein Lebewesen.
    Zu guter Letzt sind noch die Formalitäten zu klären.
    ➡️ Gibt es einen Reservierungs- oder Anzahlungsvertrag? Wie sind die Bedingungen?
    ➡️ Welche Rechte und Pflichten beinhaltet der Kaufvertrag?
    ➡️ Welche Dokumente bekommt ihr bei Übergabe mit? Z.B. Kaufvertrag, Ahnentafel, Impfpass, Ergebnisse von Untersuchungen oder Gentests, Wurfprotokoll
    ➡️ Ab wann könnt ihr den Welpen abholen?

    Kann er bei Bedarf auch etwas länger bleiben?

    Auf das ihr ein gutes Team werdet!
  • Allgemein

    Faszination rezessiver Gene

    08.03.2021

    Rezessive Gene sind Anlagen, die nur dann in Erscheinung treten, wenn sie doppelt (homozygot/reinerbig) vorliegen.
    Lina (Braun), Amy (Tricolor) und Jolie (Lemon) haben alle drei eine Fellfarbe, die auf rezessiven Genen basiert.
    Nur wenn beide Eltern die entsprechende Anlage tragen, können diese Farbschläge fallen.
    Hier ein Beispiel:
    Aus zwei kurzhaarigen Hunden können langhaarige Welpen fallen, wenn beide Eltern genetisch Langhaar tragen.
    Ist hingegen ein Elternteil langhaarig und das andere reinerbig kurzhaarig (also kein Träger für Langhaar), dann werden alle Welpen kurzhaarig. Vererbt wird das Langhaar aber natürlich trotzdem, jeder der Welpen ist dann genetischer Träger.
    Folgende rezessive Anlagen, den Phänotyp (das Aussehen) betreffend kommen beim Dalmatiner vor:
    * Braun
    * Lemon/Orange
    * Tricolor
    * Brindle
    * Sable
    * Langhaarigkeit
    Auch die extreme Weißscheckung, ohne die die typische Tüpfelung nicht sichtbar wäre, ist rezessiv. Alle Dalmatiner sind reinerbig für diese Scheckung.
    Nur das Tüpfelungsgen ist tatsächlich nicht rezessiv, sondern dominant.
    Ein kurzhaariger, weiß/schwarzer Dalmatiner kann „versteckt“ die Anlagen für Braun, Lemon, Tricolor, Brindle und Langhaar tragen. Entweder einzelne Eigenschaften oder theoretisch auch alle auf einmal.
    Man sieht es dem Hund jedoch nicht an.
    Ebenso kann ein Hund, der selbst eine rezessive Farbe hat noch weitere rezessive Anlagen tragen. Ein Lemon kann z.B. ebenfalls Braun und/oder Langhaar tragen.
    Unsere Ciri ist beinahe so ein „Alleskönner“. Sie ist weiß/schwarz, trägt aber genetisch Braun, Lemon und Langhaar 🥰
    Ich liebe die überaus interessante Welt der Fell- und Farbgenetik! Es ist schon viel bekannt, aber lange nicht alles und immer wieder gibt es neue Erkenntnisse und Testmöglichkeiten.
  • Allgemein

    LUA Dalmatiner

    Obwohl es LUA Dalmatiner seit fast 50 Jahren gibt, sind sie, außer in der Züchterszene, oft noch recht unbekannt.

    LUA steht für „Low Uric Acid“, einen niedrigen bzw. normalen Harnsäurespiegel.

    Alle Dalmatiner (soweit bekannt), außer den LUAs, sind reinerbig für den Gendefekt Hyperurikosurie (HUU).
    Dies bedeutet, dass sie Purine nicht in dem Maße verstoffwechseln können wie andere Rassen, die diesen Defekt nicht haben.

    Normalerweise wird Harnsäure zum Endprodukt Allantoin verstoffwechselt und dann ausgeschieden. Beim Dalmatiner ist dies nur teilweise der Fall. Sie scheiden stattdessen einen vielfach höheren Anteil an Harnsäure aus, der schwer löslich ist. In einer übersättigten Lösung können sich dann Kristalle bilden, welche sich im weiteren Verlauf, sofern sie nicht ausgespült werde, zu Steinen zusammenlagern können.
    Sie können lange Zeit unbemerkt in der Blase liegen. Irgendwann kann es aber passieren, dass ein Stein in die Harnröhre rutscht und diese blockiert, was einen Urinabsatz unmöglich macht.

    Dies stellt einen lebensbedrohlichen Notfall dar und erfordert sofortiges Handeln!

    Rüden sind, aufgrund ihrer Anatomie (der Penisknochen und die damit verbundene Engstelle) einem höheren Risiko ausgesetzt.

    1973 wurde von Herrn Schaible in den USA eine Einkreuzung mit einem Pointerrüden durchgeführt um wieder das gesunde Allel einzubringen und damit den Defekt zu bekämpfen.

    Alle heutigen LUA Dalmatiner (mit Stammbaum) sind somit Nachkommen aus dem damaligen Kreuzungsprojekt.
    Da Hyperurikosurie rezessiv vererbt wird reicht bereits eine Kopie des gesunden Allels, damit der Hund nicht betroffen ist.
    Langfristig ist das Ziel die HUU komplett heraus zu züchten, aber dies braucht Zeit und Geduld.
    Auf dem Foto zu sehen: Unsere LUA Nachzuchthündin „Exotic Spots High Hopes“ mit 15 Wochen.
    Nun komme ich zu ein paar wissenswerten Daten in Bezug auf LUA:
    *HUU (Hyperurikosurie) kommt auch bei vielen anderen Rassen vor wie z.B. bei der englischen Bulldogge, dem schwarzen russischen Terrier, dem großen Schweizer Sennenhund oder dem Berner Sennenhund. Meines Wissens ist jedoch nur beim Dalmatiner die gesamte Population betroffen.

    * Für HUU gibt es einen Gentest! Es handelt sich um einen autosomal rezessiven Erbgang.

    * LUAs können mischerbig (N/HUU) oder reinerbig (N/N) sein. Ein reinerbiger LUA vererbt das gesunde Allel an jeden seiner Nachkommen. Ein mischerbiger LUA dagegen nur an 50%.

    *Bei der Verpaarung von zwei HUA (High Uric Acid) entstehen zu 100% wieder HUA.
    HUA x LUA mischerbig ergibt 50% HUA und 50% mischerbige LUA.
    HUA x LUA reinerbig ergibt 100% mischerbige LUA
    Bei der Verpaarung von zwei mischerbigen LUA entstehen 25% HUA, 50% mischerbige LUA und 25% reinerbige LUA.
    LUA mischerbig x LUA reinerbig ergibt 50% mischerbige LUA und 50% reinerbige LUA.
    Aus zwei reinerbigen LUA entstehen wieder 100% reinerbige LUA.
    Selbstverständlich handelt es sich bei den Erbgängen immer um Wahrscheinlichkeiten.

    * LUAs haben häufig noch etwas kleinere, nicht so klar abgegrenzte und verwaschen wirkende Tupfen. Jedoch nicht immer. Es gibt bereits mehrere LUA, denen man optisch nicht das Geringste ansehen kann.

    * LUA Dalmatiner unterscheiden sich lediglich im Harnsäure Spiegel von den HUA, andere gesundheitliche Effekte sind nicht bekannt.

    * LUAs werden nicht überall anerkannt und zur Zucht zugelassen. Kroatien schließt diese Hunde z.B. komplett aus, weil sie sie als Mischlinge betrachten.
    Auch Bulgarien schließt diese Hunde aus.
    Wer möchte kann dazu den englischsprachigen Artikel „Crazy in Croatia“ lesen:

    Abschließend möchte ich noch ein wenig meiner persönlichen Sichtweise einbringen:
    Beim Thema LUA scheiden sich oft die Geister, denn obwohl es um einen gesundheitlichen Vorteil geht, werden die LUA nicht immer positiv betrachtet.
    Die Befürworter bemühen sich sehr das LUA Gen mit jedem Wurf weiter zu verbreiten und die HUU somit langsam zu verdrängen.
    Die Züchter, die dem ablehnend gegenüber stehen vermeiden aktiv den Einsatz eines LUA.
    Es gibt, aus meiner Sicht, erstaunlich viele Leute, die gegen LUA sind, was ich persönlich sehr schade finde.
    Als Argument wird gerne hervorgebracht, dass es ja wichtigere Baustellen gäbe als die Harnsäure und dass man die LUA in der Population nicht brauche, weil die HUU aus Sicht vieler kein Problem darstellt.
    Es ist doch aber nicht so, dass sich ausschließlich darauf versteift wird, die restliche Gesundheit wird ja keinesfalls außer Acht gelassen!
    Ich habe schon einige Diskussionen mitbekommen, in denen es so dargestellt wurde, als ginge es einzig und allein um LUA.
    Auch bei LUAs wird auf das Gehör, HD, ED, OCD, das allgemeine Immunsystem, DCM und viele andere Dinge geachtet.
    Wer einen Hund ohne Probleme hat, hat leicht reden. Aber wer einen Hund hat/hatte, welcher davon betroffen ist/war und diesen womöglich sogar deswegen verloren hat, der hat eventuell weniger Verständnis für eine negative Einstellung zu LUA.
    Aus meiner Zucht ist ein Rüde mit 13 Monaten während der OP gestorben, in der Blasensteine hätten entfernt werden sollen, weil diese die Harnröhre blockiert haben.
    Sowohl für die Besitzer als auch für mich war dies ein Schock!
    Nicht zuletzt deshalb ist auch mir LUA ein großes Anliegen!

    LUA ist eine Chance für die Rasse, eine Chance zumindest ein Problem langfristig und dauerhaft zu eliminieren.
    An dieser Stelle möchte ich auch nochmal Bowie’s Besitzerin danken, dass sie mit ihrem wundervollen Rüden unseren H-Wurf möglich gemacht hat!
  • Allgemein

    DCM Ultraschall

    Herzens ❤️ Angelegenheit
    Gestern stand Connors Herzultraschall an.
    Die gute Nachricht gleich vorweg: Connor ist aktuell DCM frei, es gibt keinen Hinweis auf eine Fehlfunktion oder krankhafte Veränderungen.
    Der Befund wird in den nächsten Tagen öffentlich auf der Homepage einsehbar sein (genau wie alle anderen Dokumente bisher), denn erzählen könnte man ja viel.
    Warum wurde Connor untersucht?
    Rein vorsorglich, einen Verdacht gab es nicht! Und auch keine Testpflicht.

    Im Bezug auf DCM (Dilatative Cardiomyopathie) sind Rassen wie der Dobermann und deutsche Doggen besonders häufig betroffen.
    Aber auch beim Dalmatiner treten leider immer wieder vereinzelte Fälle auf, ebenso Fälle von Hunden, die plötzlich und teilweise sehr jung, tot umfallen.
    Darum habe ich Connor damals bereits vor dem ersten Deckakt schallen lassen.
    Noch ist DCM kein großes Thema, aber nur wenn sich möglichst viele beteiligen, lässt sich hoffentlich vermeiden, dass es irgendwann eins wird!

    Insbesondere für Deckrüden finde ich es wichtig, denn sie können Defektgene im Zweifelsfall viel weiter streuen.

    Aber auch Hündinnen sollten natürlich nicht vernachlässigt werden.
    Eventuell wird auch Jolie im Spätsommer noch geschallt.

    Ich habe einen Termin bei einem TA gemacht, welcher dem Collegium Cardiologicum angehört und somit eine offizielle Untersuchung auf DCM machen kann.
    Zuerst wird eine Auskultation (Abhören) gemacht. Danach kommt der Ultraschall, der ca. 20min dauert und im Liegen durchgeführt wird. Währenddessen läuft auch ein EKG mit.
    Anschließend werden die Daten ausgewertet und auf dem Befundbogen vermerkt.

    Mit rund 180-250€ und einem eventuell längeren Anfahrtsweg zu einem entsprechenden TA ist die Untersuchung etwas aufwendiger und kostspieliger.

    Aber es ist eine Investition zur Gesunderhaltung der Rasse. Und auch für sich selbst hat man natürlich Klarheit.

    Zusätzlich habe ich direkt noch eine Blutprobe nehmen lassen, welche zu Forschungszwecken an die Uni Bern gesendet wird. Sie kann für unterschiedliche Projekte genutzt werden z.B. für die Forschung zu einem Gentest für DCM oder Epilepsie.

    Auf jeden Fall freue ich mich sehr über das top Ergebnis!

    Connors geplanten Dates (nein, keine Langhaarwelpen) steht somit nichts im Wege!
  • Allgemein

    ARDS – Akutes Lungenversagen

    ARDS oder auch „Acute Respiratory Distress Syndrom“ ist eine Erkrankung, welche autosomal rezessiv vererbt wird.

    Bislang wurde dieser Defekt bei Hunden ausschließlich beim Dalmatiner nachgewiesen.

    Ich hatte bereits vor einigen Jahren bei ein paar Zuchthunden gelesen „aus ARDS freien Linien“.
    Zugegebenermaßen habe ich mich damit aber bisher nicht weiter auseinandergesetzt.
    Bis ich Anfang November Materialien für die Gentests der Welpen bestellt habe. Dort bin ich wieder über ARDS gestolpert.
    Daraufhin habe ich mich kurzerhand entschlossen Jolie und Connor testen zu lassen.

    Für beide lautet das Ergebnis N/N, sie sind also keine Anlageträger.

    Damit sind auch automatisch alle G-chen frei!

    Ich weiß nicht ob es überhaupt noch Träger in der Zucht gibt. Dank des Tests muss man aber für die eigenen Hunde zumindest nicht mehr spekulieren.

    ARDS betroffene Hunde entwickeln die ersten Symptome in der Regel im ersten Lebensjahr. Soweit ich gelesen habe mussten alle erkrankten Hunde wenige Wochen später euthanasiert werden oder sind gestorben.
    Die Folgen von ARDS sind eine erhöhte Atemfrequenz, Atemnot und Schäden im Lungengewebe.

    Zusätzlich kann in Zusammenhang mit diesem Defekt auch das Fehlen einer Niere oder ein Wasserkopf einhergehen (Quelle: Laboklin).
    Es wird davon ausgegangen, dass eine finnische Hündin von damals der Ursprung ist, auf die sich alle Träger zurückverfolgen ließen.
    Dank des darauf entwickelten Gentests dürfte ARDS wohl kein Thema mehr sein, testen schadet dennoch nicht.
    Es zeigt auch wieder die Wichtigkeit der Stammbaumzucht. Ohne Stammbaum wäre eine Analyse und Rückverfolgung nicht möglich gewesen!
  • Allgemein

    Warum züchtet man sowas?

    „Warum züchtet man damit, der hat doch eine Fehlfarbe!“

    „Das ist ein Gendefekt.“

    „Die sind viel öfter krank.“

    „Das ist kein echter Dalmatiner.“

    „Wer mit Sonderfarben züchtet will sich nur bereichern.“

    „Da gehts nur um Seltenheit“

    Das alles sind Aussagen, die immer wieder kommen. Nicht mehr so häufig wie noch vor ein paar Jahren, aber sie halten sich hartnäckig.
    Was eine „Fehlfarbe“ ist liegt einzig in der Definition der Menschen, was ihnen als erwünscht und unerwünscht präsentiert wird. Ich persönlich empfinde es als Unwort, als Abwertung.

    Für mich ist Lemon einfach eine Farbvariante, die im Standard als unerwünscht gilt.

    Es hält sich das Gerücht, dass Lemons häufiger krank sind. Das kann ich nicht bestätigen und weiß auch nicht woher diese Annahme kommt. Sie sind weder öfter taub noch stehen sie der Gesundheit der schwarzen und braunen Dalmis in irgendeiner Weise nach.

    Lemon ist kein „Defekt“, es ist nicht mit speziellen Krankheiten oder gar Deformationen gekoppelt.
    Auch ist die Farbe nicht mit Merle (bei Merle x Merle besteht das Risiko von Double Merle, welche meist von körperlichen Defekten und Einschränkungen betroffen sind. Hierzu gibt es gute Infos bei der Zucht „Galaxy Diamond Australian Shepherds) oder Dilute Farben zu vergleichen.

    Es wird einfach angenommen, dass es schlecht ist, weil es der Standard nicht vorsieht …

    Eine Lemon x Lemon Verpaarung birgt keine höheren oder anderen Risiken als Schwarz x Schwarz oder Braun x Braun.

    Lemon ist auch keine Dilute Farbe, was trotzdem immer wieder behauptet wird. Lemon hat mit Blau, Silber und Champagne nichts zu tun und birgt daher auch nicht das Risiko von Hautkrankheiten wie CDA.

    Auch Lemons sind natürlich „echte“, reinrassige Dalmatiner.
    Warum sollte sie eine andere Farbe zu einem Mix machen?

    Dass es angeblich nur um Seltenheit und das liebe Geld geht ist auch oft ein beliebtes „Argument“ gegen den Farbschlag.
    Bei mir kostet allerdings jeder Farbschlag das Gleiche, keiner ist mehr wert als der andere und bei befreundeten Züchtern ebenfalls.
    Inzwischen kosten Standardwelpen in größeren Vereinen häufig sogar deutlich mehr als ein Lemon aus unserem Verein.

    Erst informieren, dann urteilen!

    Foto: Exotic Spots Fred Flintstone, Deckrüde