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    Faszination rezessiver Gene

    08.03.2021

    Rezessive Gene sind Anlagen, die nur dann in Erscheinung treten, wenn sie doppelt (homozygot/reinerbig) vorliegen.
    Lina (Braun), Amy (Tricolor) und Jolie (Lemon) haben alle drei eine Fellfarbe, die auf rezessiven Genen basiert.
    Nur wenn beide Eltern die entsprechende Anlage tragen, können diese Farbschläge fallen.
    Hier ein Beispiel:
    Aus zwei kurzhaarigen Hunden können langhaarige Welpen fallen, wenn beide Eltern genetisch Langhaar tragen.
    Ist hingegen ein Elternteil langhaarig und das andere reinerbig kurzhaarig (also kein Träger für Langhaar), dann werden alle Welpen kurzhaarig. Vererbt wird das Langhaar aber natürlich trotzdem, jeder der Welpen ist dann genetischer Träger.
    Folgende rezessive Anlagen, den Phänotyp (das Aussehen) betreffend kommen beim Dalmatiner vor:
    * Braun
    * Lemon/Orange
    * Tricolor
    * Brindle
    * Sable
    * Langhaarigkeit
    Auch die extreme Weißscheckung, ohne die die typische Tüpfelung nicht sichtbar wäre, ist rezessiv. Alle Dalmatiner sind reinerbig für diese Scheckung.
    Nur das Tüpfelungsgen ist tatsächlich nicht rezessiv, sondern dominant.
    Ein kurzhaariger, weiß/schwarzer Dalmatiner kann „versteckt“ die Anlagen für Braun, Lemon, Tricolor, Brindle und Langhaar tragen. Entweder einzelne Eigenschaften oder theoretisch auch alle auf einmal.
    Man sieht es dem Hund jedoch nicht an.
    Ebenso kann ein Hund, der selbst eine rezessive Farbe hat noch weitere rezessive Anlagen tragen. Ein Lemon kann z.B. ebenfalls Braun und/oder Langhaar tragen.
    Unsere Ciri ist beinahe so ein „Alleskönner“. Sie ist weiß/schwarz, trägt aber genetisch Braun, Lemon und Langhaar 🥰
    Ich liebe die überaus interessante Welt der Fell- und Farbgenetik! Es ist schon viel bekannt, aber lange nicht alles und immer wieder gibt es neue Erkenntnisse und Testmöglichkeiten.
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    LUA Dalmatiner

    Obwohl es LUA Dalmatiner seit fast 50 Jahren gibt, sind sie, außer in der Züchterszene, oft noch recht unbekannt.

    LUA steht für „Low Uric Acid“, einen niedrigen bzw. normalen Harnsäurespiegel.

    Alle Dalmatiner (soweit bekannt), außer den LUAs, sind reinerbig für den Gendefekt Hyperurikosurie (HUU).
    Dies bedeutet, dass sie Purine nicht in dem Maße verstoffwechseln können wie andere Rassen, die diesen Defekt nicht haben.

    Normalerweise wird Harnsäure zum Endprodukt Allantoin verstoffwechselt und dann ausgeschieden. Beim Dalmatiner ist dies nur teilweise der Fall. Sie scheiden stattdessen einen vielfach höheren Anteil an Harnsäure aus, der schwer löslich ist. In einer übersättigten Lösung können sich dann Kristalle bilden, welche sich im weiteren Verlauf, sofern sie nicht ausgespült werde, zu Steinen zusammenlagern können.
    Sie können lange Zeit unbemerkt in der Blase liegen. Irgendwann kann es aber passieren, dass ein Stein in die Harnröhre rutscht und diese blockiert, was einen Urinabsatz unmöglich macht.

    Dies stellt einen lebensbedrohlichen Notfall dar und erfordert sofortiges Handeln!

    Rüden sind, aufgrund ihrer Anatomie (der Penisknochen und die damit verbundene Engstelle) einem höheren Risiko ausgesetzt.

    1973 wurde von Herrn Schaible in den USA eine Einkreuzung mit einem Pointerrüden durchgeführt um wieder das gesunde Allel einzubringen und damit den Defekt zu bekämpfen.

    Alle heutigen LUA Dalmatiner (mit Stammbaum) sind somit Nachkommen aus dem damaligen Kreuzungsprojekt.
    Da Hyperurikosurie rezessiv vererbt wird reicht bereits eine Kopie des gesunden Allels, damit der Hund nicht betroffen ist.
    Langfristig ist das Ziel die HUU komplett heraus zu züchten, aber dies braucht Zeit und Geduld.
    Auf dem Foto zu sehen: Unsere LUA Nachzuchthündin „Exotic Spots High Hopes“ mit 15 Wochen.
    Nun komme ich zu ein paar wissenswerten Daten in Bezug auf LUA:
    *HUU (Hyperurikosurie) kommt auch bei vielen anderen Rassen vor wie z.B. bei der englischen Bulldogge, dem schwarzen russischen Terrier, dem großen Schweizer Sennenhund oder dem Berner Sennenhund. Meines Wissens ist jedoch nur beim Dalmatiner die gesamte Population betroffen.

    * Für HUU gibt es einen Gentest! Es handelt sich um einen autosomal rezessiven Erbgang.

    * LUAs können mischerbig (N/HUU) oder reinerbig (N/N) sein. Ein reinerbiger LUA vererbt das gesunde Allel an jeden seiner Nachkommen. Ein mischerbiger LUA dagegen nur an 50%.

    *Bei der Verpaarung von zwei HUA (High Uric Acid) entstehen zu 100% wieder HUA.
    HUA x LUA mischerbig ergibt 50% HUA und 50% mischerbige LUA.
    HUA x LUA reinerbig ergibt 100% mischerbige LUA
    Bei der Verpaarung von zwei mischerbigen LUA entstehen 25% HUA, 50% mischerbige LUA und 25% reinerbige LUA.
    LUA mischerbig x LUA reinerbig ergibt 50% mischerbige LUA und 50% reinerbige LUA.
    Aus zwei reinerbigen LUA entstehen wieder 100% reinerbige LUA.
    Selbstverständlich handelt es sich bei den Erbgängen immer um Wahrscheinlichkeiten.

    * LUAs haben häufig noch etwas kleinere, nicht so klar abgegrenzte und verwaschen wirkende Tupfen. Jedoch nicht immer. Es gibt bereits mehrere LUA, denen man optisch nicht das Geringste ansehen kann.

    * LUA Dalmatiner unterscheiden sich lediglich im Harnsäure Spiegel von den HUA, andere gesundheitliche Effekte sind nicht bekannt.

    * LUAs werden nicht überall anerkannt und zur Zucht zugelassen. Kroatien schließt diese Hunde z.B. komplett aus, weil sie sie als Mischlinge betrachten.
    Auch Bulgarien schließt diese Hunde aus.
    Wer möchte kann dazu den englischsprachigen Artikel „Crazy in Croatia“ lesen:

    Abschließend möchte ich noch ein wenig meiner persönlichen Sichtweise einbringen:
    Beim Thema LUA scheiden sich oft die Geister, denn obwohl es um einen gesundheitlichen Vorteil geht, werden die LUA nicht immer positiv betrachtet.
    Die Befürworter bemühen sich sehr das LUA Gen mit jedem Wurf weiter zu verbreiten und die HUU somit langsam zu verdrängen.
    Die Züchter, die dem ablehnend gegenüber stehen vermeiden aktiv den Einsatz eines LUA.
    Es gibt, aus meiner Sicht, erstaunlich viele Leute, die gegen LUA sind, was ich persönlich sehr schade finde.
    Als Argument wird gerne hervorgebracht, dass es ja wichtigere Baustellen gäbe als die Harnsäure und dass man die LUA in der Population nicht brauche, weil die HUU aus Sicht vieler kein Problem darstellt.
    Es ist doch aber nicht so, dass sich ausschließlich darauf versteift wird, die restliche Gesundheit wird ja keinesfalls außer Acht gelassen!
    Ich habe schon einige Diskussionen mitbekommen, in denen es so dargestellt wurde, als ginge es einzig und allein um LUA.
    Auch bei LUAs wird auf das Gehör, HD, ED, OCD, das allgemeine Immunsystem, DCM und viele andere Dinge geachtet.
    Wer einen Hund ohne Probleme hat, hat leicht reden. Aber wer einen Hund hat/hatte, welcher davon betroffen ist/war und diesen womöglich sogar deswegen verloren hat, der hat eventuell weniger Verständnis für eine negative Einstellung zu LUA.
    Aus meiner Zucht ist ein Rüde mit 13 Monaten während der OP gestorben, in der Blasensteine hätten entfernt werden sollen, weil diese die Harnröhre blockiert haben.
    Sowohl für die Besitzer als auch für mich war dies ein Schock!
    Nicht zuletzt deshalb ist auch mir LUA ein großes Anliegen!

    LUA ist eine Chance für die Rasse, eine Chance zumindest ein Problem langfristig und dauerhaft zu eliminieren.
    An dieser Stelle möchte ich auch nochmal Bowie’s Besitzerin danken, dass sie mit ihrem wundervollen Rüden unseren H-Wurf möglich gemacht hat!
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    Gaumenspalte / Cleft Palate

    Am Tag nach der Geburt hatten alle Welpen ein wenig abgenommen, für Jolies Würfe nicht ungewöhnlich.
    Am 2. Tag hatte Frau Pink jedoch noch mehr abgenommen und zwar nicht wenig. An den Zitzen war sie zudem sehr motzig und blieb dort nicht lange.

    Daraufhin habe ich ihr Maul kontrolliert und musste feststellen, dass sie eine Gaumenspalte hatte. Damit war auch klar, warum sie so stark abnahm. Sie konnte nicht trinken.
    Leider hatte ich es nicht direkt nach der Geburt bemerkt, da ich nichts gefühlt hatte.

    Eine Gaumenspalte bedeutet, dass die Maulhöhle sowie die Nasenhöhle miteinander verbunden sind. Hierdurch ist es dem Welpen nicht möglich den nötigen Unterdruck aufzubauen, welcher für das Saugen nötig ist.

    Mit diesem Wissen habe ich begonnen sie mit einer Sonde (dünner Schlauch, welcher bis in den Magen geschoben wird) zu füttern. Das war totales Neuland für mich und auch etwas beängstigend.
    Die Tierärztin riet mir aufgrund der Größe der Spalte (man kann sehen, dass diese durchgehend von vorne bis nach ganz hinten in den Rachen geht) sie einzuschläfern.
    Mein Mann und ich wollten es jedoch mit der Sondenernährung probieren, da sie noch sehr munter war.

    Ich fütterte sie alle 2 Stunden und bis zum Abend nahm sie tatsächlich leicht zu.
    Gestern früh war sie dann jedoch schlapper und baute bis mittags weiter ab. Zudem atmete sie rasselnd.
    Nachdem wir entschieden hatten sie doch gehen zu lassen rief mein Mann beim TA an, welcher dafür aber nicht in die Praxis fahren wollte. Nachdem es ihr nun rapide schlechter ging entschieden wir nicht in die über 30min entfernte Klinik zu fahren.

    Wenig später verstarb sie in unseren Händen.
    Dieses kleine Wesen sterben zu sehen hat uns das Herz gebrochen …

    Uns fiel später noch auf, dass ihr After blutverschmiert war, was durch Jolie’s Belecken vorher nicht zu sehen war. Wir vermuten, dass womöglich noch eine innere Verletzung vorgelegen hat.

    Falls es irgendwann nochmal eine Gaumenspalte bei uns geben sollte werde ich wieder um sie kämpfen. Denn dieser Defekt bedeutet keinesfalls zwangsläufig das Todesurteil! Wenn wir sie aufpäppeln können wäre sie in einige Wochen operiert worden um die Spalte chirurgisch schließen zu lassen.
    Danach hätte sie ein ganz normales Leben führen können.

    Heute wird Happy End (so hätte sie heißen sollen, wenn sie es geschafft hätte) im Garten beerdigt.

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    Lemonhündin = Lemonwelpen?

    Es ist ein Phänomen, welches mir schon recht häufig begegnet ist: Ist eine Lemonhündin trächtig oder mit neugeborenen Welpen zu sehen, gehen viele Menschen automatisch davon aus, dass auch Lemonwelpen geboren werden. Es kam schon mehrfach vor, dass Interessenten sich für einen Welpen vormerken lassen haben/wollten und ganz selbstverständlich, oft ohne es zu erwähnen, davon ausgehen einen Lemon zu bekommen.

    Dies ist jedoch nicht immer der Fall.
    Welche Farben oder Varianten fallen hängt zum einen vom Erbgang ab und zum anderen vom Partner und dessen Anlagen. Beim G- und H-Wurf habe ich explizit Rüden gewählt mit denen nur schwarze Welpen erwartet werden.

    Da es sich bei Lemon um eine rezessive Eigenschaft handelt können nur dann entsprechende Welpen geboren werden, wenn beide Eltern die Anlage tragen.

    Auch bei einem langhaarigen Elternteil wird oft einfach davon ausgegangen, dass es langhaarigen Nachwuchs gibt.
    Jedoch verhält es sich hier wie bei Lemon, es müssen beide Partner mindestens Anlageträger sein, sonst werden alle Welpen kurzhaarig.

    Daher gilt: Der Phänotyp (das äußere Erscheinungsbild) der Nachkommen ist nicht automatisch mit dem der Eltern identisch.

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    Gelbe Dalmatiner

    Die helle Tupfenfarbe beim Dalmatiner wird offiziell als Lemon bzw. Orange bezeichnet.

    Die beiden Farbschläge unterscheiden sich lediglich in der Nasenfarbe. Bei Lemon ist die Nase schwarz, bei Orange ist sie braun.

    Beide Varianten können in einer Vielzahl von Nuancen vorkommen, von fast pastellgelb bis kräftig orange.

    Wusstet ihr schon, dass Lemons bezüglich Platten ein Sonderfall sind? Platten nennt man Farbbereiche, die, im Gegensatz zu den normalen Tupfen, bereits direkt nach der Geburt sichtbar sind. Bei den Lemons jedoch zeigen sich auch Platten erst später, bei ihnen bleibt es also besonders spannend.

    Eine weitere Besonderheit, welche bei Lemon/Orange, nicht jedoch bei Schwarz oder Braun vorkommen kann sind die sogenannten Two Tone Spots.
    Hierbei ist das Innere der Tupfen heller und der Rand sichtbar dunkler. Die Intensität des Farbkontrasts kann variieren.

    Bei Lemon handelt es sich genetisch betrachtet um rezessives Gelb. Es ist damit die gleiche Farbe wie z.B. beim Golden Retriever, blonden Labrador oder Pointer. Bei vielen Rassen gehört rezessives Gelb regulär zur Farbpalette.

    Es handelt sich nicht um einen (schädlichen) Gendefekt und auch nicht um einen Pigmentverlust. Lemon ist auch keine Dilute Farbe und daher nicht mit Blau oder Silber zu vergleichen.
    Lemons haben auch kein höheres Risiko für Taubheit, da diese im Zusammenhang mit der Weißscheckung steht und nicht mit der Tupfenfarbe

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    Rezessive Gene in der Zucht

    Mir wurde kürzlich die Frage gestellt, ob es denn, im Bezug auf die gesundheitlichen Probleme der Dalmatiner, nicht kontraproduktiv wäre auf eine rezessives Eigenschaft wie Langhaar zu selektieren und damit mögliche Risiken zu erhöhen, da im Vergleich zu Kurzhaar auch nicht so viele Zuchttiere zur Verfügung stehen.

    Die Frage ist natürlich absolut berechtigt und kann so oder so beantwortet werden.
    Auch Braun ist rezessiv und war früher nicht unbedingt oft anzutreffen. Heute ist das kein Thema mehr.
    Aus meiner Sicht kommt es eher darauf an, wie man damit umgeht.
    Langhaar selbst hat erst einmal keinen negativen Effekt. Für einen langfristigen Erfolg ist es wichtig die Basis mit der Weiterzucht von Trägern Stück für Stück zu erweitern. So stehen mit der Zeit immer mehr potenzielle Kandidaten zur Verfügung. Oberste Priorität sollte immer die Gesundheit haben.

    Vor einiger Zeit wurde von ein paar Züchtern vorgeschlagen die langhaarigen Dalmatiner als eigene Rasse zu deklarieren um eine FCI „Anerkennung“ zu bekommen.
    DAS würde den Hunden tatsächlich schaden und wäre mehr als kontraproduktiv!
    Ich bin grundsätzlich gegen jegliche Abspaltungen aus einer Rasse aufgrund von Farbe oder Fellart. Aus einer bereits geschlossenen Population weitere, deutlich verkleinerte Populationen zu machen und diese abgeschottet voneinander zu züchten kann unmöglich im Sinne der Hunde sein.

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    Reinerbig Kurzhaar vs. Langhaarträger

    Beim G-Wurf fiel mir etwas auf, was ich aber bisher nicht weiter verfolgt hatte. Gestern jedoch sprach mich eine befreundete Züchterin darauf an und ich dachte mir, ich könnte etwas dazu schreiben.

    Unterschiede bei der Fleckung im Welpenalter. Besonders beim G-Wurf hatte ich den Eindruck, dass die Tupfen sehr lange brauchen um richtig durchzukommen und sich intensiv und klar abgegrenzt zu zeigen. Beim Vergleich mit anderen Würfen wurde es dann ganz deutlich.

    Die Hündin mit dem gelben Halsband stammt aus meinem B-Wurf und ist reinerbig kurzhaarig. Der Rüde mit dem blauen Halsband stammt aus dem G-Wurf und ist mischerbig kurzhaarig, also Langhaarträger. Beide Fotos wurden jeweils am 21. Lebenstag aufgenommen.
    Ein paar Wochen später ist optisch jedoch kein Unterschied mehr zu sehen.

    Ich habe 3 von aktuell 4 Langhaarträgerwürfen (1 ist noch zu jung) mit reinerbig kurzhaarigen Würfen verglichen und bei allen 3 war die langsamer durchkommende Fleckung zu beobachten. Ob es sich dabei tatsächlich um einen Zusammenhang zwischen Kurzhaar/Langhaarträger handelt muss sich in Zukunft noch durch weitere Beobachtungen zeigen.
    Verglichen habe ich ausschließlich Welpen in schwarz/weiß, da es auch noch Unterschiede betreffend der Farbe gibt.
    Braun benötigt in der Regel etwas länger als Schwarz um sich intensiv zu zeigen, Lemon benötigt noch deutlich länger.
    Verglichen haben ich zudem nur HUA Welpen, da sich auch LUA auf die Intensität der Tupfen auswirken kann. Irgendwann liegen aber bestimmt genügend Daten vor um ausführliche Auswertungen machen zu können

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    Dreifarbige Dalmatiner – Tricolor

    Urherber: Ute Trasak (Trasak Fotodesign)

    Habt ihr schon mal einen Dalmatiner in Tricolor gesehen?
    Der Farbschlag ist nicht allzu verbreitet und, wen wundert’s, nicht im FCI Standard anerkannt.
    Nichtsdestotrotz handelt sich aber auch bei Tricolor um reinrassige Dalmatiner. Die Farbe wurde nicht durch eine Einkreuzung in die Rasse gebracht, sondern ist ein natürlich vorkommender Bestandteil des Dalmatiners.

    Tricolor kann in zwei Varianten vorkommen, zum Einen in weiß/schwarz/tan (wie auf dem Foto) und zum anderen in weiß/braun/tan.
    Die Kombination von weiß/schwarz/braun gibt es jedoch nicht, es tritt immer entweder Schwarz oder Braun mit Tanpoints auf.
    Kurz gesagt ist Tricolor die Kombination von Black and Tan (wie z.B. beim Dobermann, Rottweiler etc.) mit Weißscheckung.
    Die hellen Tupfen treten auch nur an bestimmten Stellen auf wie um die Schnauze, Augenbrauen, Brust und Vorder- sowie Hinterläufe. Auf dem Rücken kommen keine Tanpoints vor.
    Auch Lemon-Tricolor gibt es nicht, da rezessives Gelb die Ausprägung anderer Farben überdeckt. Jedoch kann ein Lemon natürlich Tricolor tragen oder sogar Tricolor sein, es wird nur optisch nicht ausgeprägt, vererben kann er es aber dennoch.

    Tricolor entsteht nicht durch die Verpaarung eines Dalmatiners in Schwarz (oder Braun) und eines in Lemon, sondern durch das passende Zusammenspiel des K-Locus und A-Locus. Zum Vergleich: Lemon wird auf dem E-Locus vererbt.

    Die Kombination KB/KB oder auch KB/ky unterdrückt die Farben des A-Locus und lässt nur dominantes Schwarz (B) sowie Braun (b) zu. Zur Ausprägung von Tricolor muss der Hund am K-Locus ky/ky sein und zusätzlich am A-Locus die Kombination at/at oder at/a haben.

    Auf dem A-Locus können aber auch noch andere Farben liegen wie rezessives Schwarz (a), dominantes Gelb (ay) und wildfarben (aw).
    Zumindest ay und aw kommen beim Dalmatiner vor, ob das a-Allel auch vorkommt, kann ich aktuell nicht sagen.
    Connor ist auf dem A-Locus z.B. aw/at.

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    Langhaardalmatiner

    Immer wieder wird behauptet, es gäbe keine langhaarigen Dalmatiner, dies wären Mischlinge. Meist kommen diese Behauptungen sogar von Menschen, die sich selbst als Rassekenner und kompetent darstellen.

    Natürlich haben sie keinerlei Beweise dafür, dass die Langhaarvariante durch Fremdgene entstanden ist, dennoch halten sie weiterhin an diesen unsinnigen Behauptungen fest. Das ist alles andere als wissenschaftlich oder seriös und macht somit auch eine ordentliche, konstruktive Diskussion unmöglich. Es ist erstaunlich wie überzeugt einige Menschen von sich und ihren Aussagen sind, die lediglich auf ihrer eigenen Meinung, nicht jedoch auf belegbaren Fakten zur Untermauerung basieren.
    Vor kurzem schrieb eine Züchterin, in Europa gäbe es das Langhaargen nicht, sie wüsste sonst davon und ich solle ihr das ruhig glauben.
    Danke, aber nein danke! Solche Aussagen betrachte ich als pure Selbstüberschätzung.

    Wissenschaftlich gesehen ist der z.B. sichtbare Nachweis von etwas der Beweis dafür, dass es existiert (wie beispielsweise Bakterien), wenn kein Nachweis erbracht werden kann, so ist dies jedoch kein Beweis dafür, dass es nicht existiert.

    Auf die Langhaardalmatiner übertragen bedeutet dies, dass, nur weil jemand keine Träger in Europa kennt/kannte, diese auch nicht existieren/existiert haben.
    Um die Nichtexistenz des Langhaargens in der europäischen Population zu beweisen hätte man über einen Zeitraum der letzten gut 100 Jahre jeden einzelnen Dalmatiner, der jemals geboren wurde (und natürlich nicht nur in der FCI) dahingehend testen müssen. Dies war natürlich nicht möglich, denn damals waren derartige Gentests noch gar nicht verfügbar.

    Wenn also das nächste Mal jemand sagt, ihr sollt ihm einfach glauben, weil er das sagt ist das so, lasst Vorsicht walten. Jemand der sich für allwissend hält ist selten vertrauenswürdig.

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    Blaue Augen

    Dalmatiner mit blauen Augen sind sehr beliebt. Die blauen Augen sind in der Tat ein Blickfang und fallen direkt auf.

    Welpen mit ein- oder beidseitig blauen Augen kommen immer wieder in Würfen vor, auch wenn beide Elterntiere braune Augen haben.

    Aufgrund der Beliebtheit gibt es Menschen, die mit blauäugigen Hunden züchten um die Wahrscheinlichkeit für ebenfalls blauäugigen Nachwuchs zu erhöhen.
    Dies ist jedoch nicht im Sinne der Hunde und kann zu Lasten der Gesundheit gehen.

    Beim Dalmatiner entstehen blaue Augen, wenn die Weißscheckung besonders stark ausgeprägt ist und sich dadurch auch auf die Iris ausdehnt. Es lagern sich somit keine Pigmente in die Iris ein und das Auge erscheint blau. Die Sehfähigkeit ist dadurch nicht gestört, jedoch bedeutet eine noch stärkere Weißscheckung ein höheres Taubheitsrisiko.

    Vor einigen Jahren habe ich die Zuchtbücher der deutschen Zuchtvereine über einen Zeitraum von 5 Jahren bezüglich blauer Augen und Taubheit ausgewertet. Dabei hat sich gezeigt, dass blauäugige Welpen 3mal häufiger sowohl von einseitiger als auch beidseitiger Taubheit betroffen sind.

    Es ist also ohne Zweifel sinnvoll blauäugige Hunde von der Zucht auszuschließen, denn das Taubheitsaufkommen so gering wie möglich zu halten ist im Sinne der Hunde und Halter.

    In meiner Zucht sind bisher 4 Welpen mit blauen Augen gefallen. 3 davon mit je einem blauen Auge und eine Hündin mit 2 blauen Augen. 2 Welpen sind beidseitig hörend, die anderen 2 einseitig hörend.