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    Bindung

    Vor kurzem wurde ich im Zusammenhang mit dem Thema Mietzucht gefragt, was für eine Bindung denn Elsa (die Mama unserer I-chen) und ihre Besitzerin hätten, wenn Elsa sich so problemlos auch hier wohlfühlen würde.

    Dass die zwei eine ganz normale Bindung haben konnte sie sich nicht vorstellen, weil ihre eigene Hündin schon bei 1,5 Tagen Trennung trotz Betreuung durch eine lange bekannte Person nicht gefressen hat und extrem gestresst war.
    So ein Verhalten als gute Bindung zu betrachten finde ich sehr kritisch.

    Ich fragte was denn wäre, wenn sie zeitweise gezwungenermaßen getrennt wären. Sie wusste nur, dass eine Hündin im Verwandtenkreis durch einen Krankenhausaufenthalt der Besitzerin 5kg abgenommen hat und das wär dann halt so.

    Wenn ein Hund also ohne Stress auch prompt woanders klarkommt und, Gott bewahre, sich sogar richtig wohlfühlt, dann ist das seltsam, aber wenn er stattdessen halb verhungert ist schon in Ordnung?

    Elsa ist wie Connor, den kann ich auch super jedem mitgeben und er ist nicht anders als hier mit uns. Aber auch mit meinen Mädels ist das gut machbar.
    Diese Eigenschaft ist für mich Gold wert und absolut erstrebenswert!

    Manchmal habe ich den Eindruck, dass einige sich aber nur dann als gut verbunden betrachten, wenn der Hund ohne sie vor Kummer zergeht und leidet.

    Aus meiner Sicht tut man damit weder sich noch dem Hund einen Gefallen.

    Ich z.B. liebe meinen Mann abgöttisch und bin gerne mit ihm zusammen.
    Aber ich komme auch eine Zeitlang ohne ihn zurecht ohne in Herzschmerz zu zerfließen oder sofort wieder zu ihm zu wollen.
    Und das gleiche gilt auch für meine Hunde.

    Daher sehe ich Hunde wie Elsa und Connor als Geschenk und empfinde es nicht als schlechte Bindung 🙂
    Dafür gibt es überhaupt keinen Grund.
    Für mich wäre es ein Drama wenn sie nicht ohne mich sein könnten, denn ich verreise gern 1-2 Mal im Jahr und das grundsätzlich ohne Hunde.

    Elsa hat beim I-Wurf hier gelebt, als wäre sie schon immer bei mir, was gibt’s Besseres? Es war so entspannt für sie, für mich und auch für ihr Frauchen 🙂

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    Gezielte Einkreuzung

    Bei einer Einkreuzung wird in eine geschlossene Population ein Vertreter einer anderen Rasse eingebracht um ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen.

    Auf diese Weise sind auch die heutigen LUA (Low Uric Acid) Dalmatiner entstanden.
    Vor 50 Jahren wurde eine Dalmatinerhündin mit einem Pointerrüden belegt um die Hyperurikosurie (HUU) beim Dalmatiner zu bekämpfen.

    Nach einigen Startschwierigkeiten sind inzwischen schon tolle Erfolge weltweit zu verzeichnen.

    Ich persönlich befürworte gezielte und durchdachte Einkreuzungen mit Rückzüchtungsplänen, sprich, die entstandenen Hybride werden in folgenden Generationen wieder mit reinrassigen Hunden verpaart.

    Vorteile liegen darin, dass man z.B. gesundheitliche Probleme (die in der Partnerrasse nicht vorkommen) langfristig bekämpfen kann. Außerdem wird dem geschlossenen Genpool neues Material hinzugefügt, was sich sehr positiv auswirken kann.

    Auch optisch können natürlich gewünschte Eigenschaften damit beeinflusst werden wie z.B. eine längere Schnauze, Größe verringern oder erhöhen und vieles mehr.

    Natürlich könnte man sich aber auch ungewollt neue Krankheiten oder Defekte in die Rasse holen.
    Entsprechende Sorgfalt ist hier unter Umständen noch wichtiger als in der Reinzucht.

    Eine lückenlose Dokumentation ist auch hier sehr wichtig um Erfolge und mögliche Rückschritte nachverfolgen und darauf reagieren zu können.

    Um eine Rasse gesund zu erhalten sind meiner Meinung nach Einkreuzungen von Zeit zu Zeit ein hilfreiches, aber häufig vehement abgelehntes Instrument.

    Nicht in diese Kategorie fallen für mich Verpaarungen, die einfach nur „hübsche Welpen“ hervorbringen sollen, Ups Würfe oder Designerhunde, die immer wieder aus den Ausgangsrassen gezüchtet werden und hinter denen oftmals (nicht immer) keine weiterführenden Zuchtbestrebungen stehen.

    Wie steht ihr dazu?
    Würdet ihr einen Welpen aus einer planmäßigen Einkreuzung kaufen und ein solches Projekt unterstützen?
    Falls nein, was würde dagegen sprechen?
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    Mietzucht

    Mir ist bewusst, dass dies ein heikles Thema ist welches oft sehr emotional diskutiert wird.
    Dennoch halte ich es für wichtig darüber zu sprechen, da ich oft den Eindruck habe, dass Mietzucht als eine Art Schreckgespenst wahrgenommen wird.
    Ich denke vielfach mangelt an einer guten Kommunikation, wodurch schnell Missverständnisse entstehen.
    Nur wer Bescheid weiß kann sinnvoll entscheiden, ob so etwas für ihn in Frage kommt oder nicht.
    Dies ist nur ein grober Überblick, weitere Aspekte folgen in den nächsten Teilen.
    ➡️ Was versteht man unter Mietzucht?
    Darunter versteht man den Einsatz einer Hündin, welche nicht dauerhaft beim Züchter lebt.
    Sie zieht während der Trächtigkeit zum Züchter, zieht dort ihre Welpen auf und geht dann zurück in ihre eigentliche Familie.
    Die Hündin wird also tatsächlich für einen Wurf „gemietet“ (was keinesfalls negativ zu verstehen ist).
    ➡️ Worin liegt der Sinn einer Mietzucht?
    Gute Hündinnen können so dem Genpool zur Verfügung stehen, auch wenn die Besitzer selbst nicht züchten möchten oder können.
    Da auch seriöse Züchter nicht beliebig viele eigene Hunde halten können, besteht unter den richtigen Voraussetzungen so die Möglichkeit dennoch einen größeren Genpool nutzen zu können.
    ➡️ Mietzucht = Mitbesitz?
    Nein, nicht zwangsläufig.
    Tatsächlich behalten viele Züchter Hunde, die sie selbst zur Zucht einsetzen möchten, vertraglich im Mitbesitz, damit sie mehr Kontrolle haben.
    Aber Mietzucht ist auch möglich, wenn sich die Hündin komplett im Eigentum ihrer eigentlichen Familie befindet, das ist lediglich abzusprechen.
    Ich persönlich gebe grundsätzlich keine Hunde im Mitbesitz ab, weil ich unter dieser Bedingung selbst auch keinen Hund kaufen würde.
    ➡️ Welche Vorteile bietet Mietzucht?
    1) Es können mehr Hündinnen zur Zucht zur Verfügung stehen und dadurch ein größerer Genpool sowie mehr Selektionsmöglichkeiten in der Rasse.
    2) Insbesondere im Bezug auf die Erhaltung und Verbreitung von (noch) seltenen Genen wie z.B. LUA, Lemon oder Langhaar kann so eine breitere Basis geschaffen werden.
    3) Ein Züchter kann eine bewährte Linie weiterführen, auch wenn er gerade keine neuen eigenen Hunde behalten kann, z.B. aus Zeit- oder Platzgründen. Je mehr Hunde, desto mehr spielt auch der finanzielle Aspekt der Haltung noch eine Rolle.
    4) Die Verantwortung und das Risiko für den Wurf und die Vermittlung trägt der Züchter.
    5) Die Besitzer können auf Wunsch unkompliziert und ohne eigenen Aufwand einen Nachkommen ihrer Hündin bekommen.
    6) Manche Hündinnenbesitzer nutzen die Zeit der Welpenaufzucht um z.B. einen Urlaub zu machen, denn so ist die Hündin schon in guten Händen untergebracht.
    7) Je nach Züchter erhält der Besitzer pro Welpe oder Wurf auch eine finanzielle Entschädigung für die „Nutzung“ seiner Hündin oder andere vereinbarte Vorteile.
    ➡️ Welche potenziellen Nachteile hat Mietzucht?
    1) Als Züchter kennt man die Hündin unter Umständen nicht ganz so genau als wenn es die Eigene wäre.
    2) Sofern vorab nicht alles genau geregelt wurde kann es zu Streitigkeiten und Uneinigkeit zwischen Züchter und Besitzer kommen.
    3) Es besteht ein Risiko (wie allerdings immer), dass Komplikationen während der Trächtigkeit, Geburt oder Aufzucht auftreten. Die Hündin kann erkranken oder im schlimmsten Fall sogar sterben. Dessen müssen sich beide Parteien bewusst sein.
    Gerade bei Schwierigkeiten sollte eine solide Vertrauensbasis und gute Kommunikation bestehen um Vorwürfe zu vermeiden.
    4) Die Hündin ist 9-10 Wochen beim Züchter, nicht jeder (Mensch) kommt damit gut zurecht.
    Wenn ich plane eine Hündin aus einem eigenen Wurf zur potenziellen Mietzucht abzugeben, dann sage ich das zum entsprechenden Welpen beim Besuch direkt dazu. Natürlich dürfen die Interessenten auch gerne ein paar Tage in Ruhe darüber nachdenken, schließlich sollten sie sich mit der Entscheidung wirklich wohlfühlen.
    Von Ciri’s (Erst)Besitzern und von Ella’s Besitzerin wurde es mir von ihnen aus angeboten ❤️ ich weiß diese Möglichkeit sehr zu schätzen!
    Im Gegenzug erwarte ich jedoch auch, dass man mir gegenüber ehrlich ist und nicht ja sagt, nur um den Hund zu bekommen.
    Früher habe ich solche Vereinbarungen nur mündlich und auf Vertrauensbasis gemacht.
    Da dies jedoch bis auf einmal nicht funktioniert hat, mache ich es inzwischen zum vertraglichen Bestandteil.
    Immer vorausgesetzt, dass die Hündin sich gesundheitlich und charakterlich später tatsächlich zur Zucht eignet.
    Wenn die Hündin 15-18 Monate alt ist stehen die Untersuchungen wie HD, ED, OCD, Spondylose und Gentests an, welche ich bezahle.
    Wenn alles passt bespreche ich die erste Belegung mit den Besitzern und mit Beginn der Läufigkeit schließen wir einen schriftlichen Vertrag in dem alle Einzelheiten geklärt sind wie Eigentum am Wurf, wer für die Kosten aufkommt, was im Fall des Falles passiert und so weiter.
    Finanziell komme ich für die Zuchtuntersuchungen, Decktaxe, alles rund um die Geburt, nötige Untersuchungen im Zusammenhang mit der Trächtigkeit und alle Kosten welche die Welpen verursachen auf.
    Außerdem erhalten die Besitzer von mir eine Entschädigung pro Welpe, eine Leihgebühr sozusagen 😉
    Ich kümmere mich um die Deckung und nehme die Hündin spätestens 10 Tage vor dem Wurftermin zu mir.
    Der Besitzer darf/soll bei der Geburt dabei sein und wird während der Aufzucht engmaschig auf dem Laufenden gehalten.
    Nach der Wurfabnahme darf die Hündin wieder nach Hause gehen. Es handelt sich also um einen Zeitraum von rund 9 Wochen.
    Keine der bei mir eingesetzten Hündinnen ist mir fremd, sie kennen mich und meine Hunde im Voraus.
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    Gezielte Zucht als Feinbild

    Gefühlt müssen sich seriöse Züchter heutzutage mehr denn je für die bloße Tatsache, dass sie gezielte Zucht betreiben, rechtfertigen und viele Vorwürfe gefallen lassen.

    Von Geldgier über Langeweile bishin zur Ausbeutung gibt es viele Unterstellungen.
    Was mich jedoch am meisten erschreckt ist der zunehmende Hass und eine scheinbar immer extremere Ansicht bei diesem Thema.

    Sehr viele Menschen scheinen, ausgehend von Diskussionen auf Social Media, die Meinung zu vertreten, dass Züchter erheblich zum (Haus)Tierleid beitragen oder sogar der Auslöser dafür sind.

    Es gibt daher auch immer wieder Forderungen von Privatpersonen und Organisationen, die Hundezucht generell zu verbieten.
    Die Konsequenzen, die ein solches Verbot hätte bedenken die meisten vermutlich gar nicht oder wollen es auch nicht.

    Das Problem der Straßenhunde und -katzen sowie Hunden in Tierschutzeinrichtungen, um welches es hauptsächlich geht, wäre damit nicht gelöst, stattdessen würden sehr wahrscheinlich neue Probleme entstehen.

    Was würde mit den hochspezialisierten Hunden passieren, die unzählige Arbeiten für Menschen verrichten?

    Trümmer- oder Lawinensuchhunde, Assistenzhunde, Drogen- und Sprengstoffspürhunde, Hütehunde, Herdenschutzhunde, Warnhunde (z.B. vor einem epileptischen Anfall), Polizeihunde.

    Um diese Eigenschaften und Anlagen zu erhalten ist eine planmäßige und gezielte Zucht notwendig.
    Manch einer wäre vielleicht verleitet zu sagen, dann lässt man diese Rassen zu Arbeitszwecken noch zu.

    Aber wie lange ginge das gut?

    Immerhin wäre die Zahl der Züchter und damit der Zuchthunde stark reduziert, was eine weitere genetische Verarmung und deutlich weniger Selektionsmöglichkeiten bedeuten würde.

    Natürlich können auch Mischlinge diese Aufgaben erfüllen, zumindest solange ausreichend Hunde zur Verfügung stehen. Aber auch diese gäbe es mit Verbot der Zucht bald nicht mehr, denn die betrifft ja nicht nur Rassehunde.

    Selten lässt sich etwas so einfach lösen, wie es auf den ersten Blick scheint.

    „Warum überhaupt züchten? Die Tierheime sind voll, da braucht es das nicht.“
    „Es gibt schon genug Hunde.“
    „Jeder Hund vom Züchter nimmt einem anderen das Zuhause weg.“

    „Hol dir lieber einen Hund aus dem Tierschutz.“

    Solche oder ähnliche Sätze kann man auf allen möglichen Plattformen immer wieder lesen.
    Dass ein Hund vom Züchter den Platz eines anderen weg nimmt wird häufig so dargestellt, als wäre es eine Tatsache.

    Meine Hunde nehmen allerdings keinem anderen etwas weg, denn wenn es sie nicht gäbe, dann gar keinen, da für mich ein Tierschutzhund nicht mehr in Frage kommt.

    Für mich soll es nicht irgendein Hund sein, nur damit ich einen habe. Er muss zu mir und meinem Leben passen, denn sonst ist keinem von beiden geholfen.

    Dass es zu viele Hunde gibt, dem stimme ich zu, aber nicht aufgrund seriöser Züchter, sondern hauptsächlich wegen verantwortungslosen Käufern/Haltern.

    Weil diese ihre Hunde aussetzen, fahrlässig oder unüberlegt handeln oder sich nicht informieren.
    Wie viele „ups Würfe“ sind z.B. echte Unfälle?
    Wie oft wird ein Hund aus fragwürdigen Quellen geholt, weil die Menschen unbedingt jetzt sofort und möglichst einfach einen haben wollen?
    Sobald sich jemand einen Hund anschaffen möchte wird fast immer direkt dazu geraten (um nicht zu sagen gedrängt) einen aus dem Tierschutz zu nehmen.
    An und für sich sehr löblich auf diese Möglichkeit hinzuweisen!

    Aber nicht für jeden Menschen und jede Lebenssituation ist ein Tierheimhund geeignet. Genauso wie nicht jede Rasse zu jedem Menschen passt oder nicht immer ein Welpe die richtige Wahl ist.

    In manchen Fällen ist sogar ein Hund generell nicht das richtige Haustier.

    Was nützt es, wenn sich jemand überreden lässt einen Hund zu „retten“ und diesen aber wieder abgibt, weil er überfordert ist. Gut erzogene, wesensfeste und alltagstaugliche Hunde dürften im Tierheim schwerer zu finden sein.

    Die meisten tragen durch ihre Vorgeschichte ein oder mehrere mehr oder minder schwere Päckchen mit sich.
    Natürlich haben auch diese Hunde ein gutes Leben verdient, aber sie brauchen jemanden, der sich bewusst und gewollt dafür entscheidet.

    Die seriöse Zucht einzustellen würde letztlich bedeuten, dass es nur noch Hunde aus fragwürdigen Quellen und ohne nachvollziehbare Herkunft/Abstammung sowie dem Tierschutz gäbe.

    Und auch dort ist leider nicht alles so seriös und vertrauenswürdig wie man es sich wünscht.
    Ich habe Zweifel, dass dies den ersehnten Effekt bringen würde, Probleme würden sich lediglich verändern und verlagern.
    Oft wird argumentiert, dass das Leid der Tierschutz- und Straßenhunde verringert bzw. gestoppt werden würde, wenn man die Zucht einstellt.

    Jedes Jahr werden tausende Hunde aus dem europäischen Ausland via Tierschutzorganisationen nach Deutschland geholt um ihnen ein vermeintlich besseres Leben zu ermöglichen und die Situation im Ursprungsland zu entschärfen.

    Tierschutz ist sehr wichtig und richtig!

    Aber dennoch bezweifle ich, dass die derzeitige Praxis etwas verbessert. Für den einzelnen Hund durchaus, wenn dieser nun ein sorgenfreies Leben hat (wenngleich auch ziemlich sicher nicht alle Hunde glücklich oder dankbar über ihre „Rettung“ sind).

    Aber wie sieht es vor Ort aus?

    Nimmt die Zahl der Straßenhunde merkbar ab?

    Entnimmt man Hunde der Gruppe, so werden wieder Ressourcen wie Platz und Futter für die Übrigen frei, welche sich dann wiederum stärker vermehren. Am Ende hat man also unter Umständen sogar noch mehr Hunde als zuvor.
    Das Prinzip ist das Gleiche wie bei Wildtieren.
    Viele Ressourcen = starke Vermehrung,

    geringe Ressourcen = Rückgang der Population.

    Teilweise gibt es Kastrationsprogramme, die die unkontrollierte Vermehrung stoppen sollen. Trotzdem besteht das Problem weiter und ein Ende ist nicht in Sicht.

    Auch wenn einem die Hunde mit teils herzzereißenden Texten und Bildern leid tun, sie vor Ort zu belassen würde langfristig vermutlich mehr bewirken.
    Kastraten in die Gruppe zurückzuführen verhindert eine zu starke Vermehrung der noch unkastrierten Tiere.
    Auch so löst sich das Problem natürlich nicht sofort, es würde aber auch nicht schlimmer werden und, wie jetzt, einen Teufelskreis bilden.

    Aber auch hieran sind nicht seriöse Züchter schuld, sondern Halter, die ihre (intakten) Hunde aussetzen oder unkontrolliert umherstreunen lassen, weil es ihnen egal ist.

    Auch gibt es leider „Zuchten“, die absichtlich Welpen produzieren, um sie als vermeintliche Tierschutzhunde gezielt ins Ausland zu verkaufen.
    Daher ist auch hier ganz genau zu schauen wen oder was man mit einer Adoption unterstützt.
    In erster Linie muss vor Ort ein Umdenken und eine Sensibilisierung stattfinden. Alles was geht hierher zu bringen ist leider nicht die Lösung.
    Häufig wird gesagt „unsere Tierheime sind so voll“, bei dieser Praxis werden sie sich aber auch garantiert nie leeren.
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    Warum züchtet man sowas?

    „Warum züchtet man damit, der hat doch eine Fehlfarbe!“

    „Das ist ein Gendefekt.“

    „Die sind viel öfter krank.“

    „Das ist kein echter Dalmatiner.“

    „Wer mit Sonderfarben züchtet will sich nur bereichern.“

    „Da gehts nur um Seltenheit“

    Das alles sind Aussagen, die immer wieder kommen. Nicht mehr so häufig wie noch vor ein paar Jahren, aber sie halten sich hartnäckig.
    Was eine „Fehlfarbe“ ist liegt einzig in der Definition der Menschen, was ihnen als erwünscht und unerwünscht präsentiert wird. Ich persönlich empfinde es als Unwort, als Abwertung.

    Für mich ist Lemon einfach eine Farbvariante, die im Standard als unerwünscht gilt.

    Es hält sich das Gerücht, dass Lemons häufiger krank sind. Das kann ich nicht bestätigen und weiß auch nicht woher diese Annahme kommt. Sie sind weder öfter taub noch stehen sie der Gesundheit der schwarzen und braunen Dalmis in irgendeiner Weise nach.

    Lemon ist kein „Defekt“, es ist nicht mit speziellen Krankheiten oder gar Deformationen gekoppelt.
    Auch ist die Farbe nicht mit Merle (bei Merle x Merle besteht das Risiko von Double Merle, welche meist von körperlichen Defekten und Einschränkungen betroffen sind. Hierzu gibt es gute Infos bei der Zucht „Galaxy Diamond Australian Shepherds) oder Dilute Farben zu vergleichen.

    Es wird einfach angenommen, dass es schlecht ist, weil es der Standard nicht vorsieht …

    Eine Lemon x Lemon Verpaarung birgt keine höheren oder anderen Risiken als Schwarz x Schwarz oder Braun x Braun.

    Lemon ist auch keine Dilute Farbe, was trotzdem immer wieder behauptet wird. Lemon hat mit Blau, Silber und Champagne nichts zu tun und birgt daher auch nicht das Risiko von Hautkrankheiten wie CDA.

    Auch Lemons sind natürlich „echte“, reinrassige Dalmatiner.
    Warum sollte sie eine andere Farbe zu einem Mix machen?

    Dass es angeblich nur um Seltenheit und das liebe Geld geht ist auch oft ein beliebtes „Argument“ gegen den Farbschlag.
    Bei mir kostet allerdings jeder Farbschlag das Gleiche, keiner ist mehr wert als der andere und bei befreundeten Züchtern ebenfalls.
    Inzwischen kosten Standardwelpen in größeren Vereinen häufig sogar deutlich mehr als ein Lemon aus unserem Verein.

    Erst informieren, dann urteilen!

    Foto: Exotic Spots Fred Flintstone, Deckrüde
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    Aufbau einer Zucht

    Ich wurde vor kurzem gefragt, ob ich berichten würde, wie man eine Zucht aufbaut.

    Zuerst möchte ich sagen, dass es da ganz sicher nicht nur eine Herangehensweise gibt und dieser Beitrag auch nur einen sehr groben Überblick darstellt.

    Das Vorhaben einer Zucht steht oder fällt mit der Hündin, auf ihr liegt somit das größte Augenmerk.
    Ist bereits eine Hündin vorhanden und der Zuchtgedanke kommt später auf, so ist es sinnvoll sich eingehend mit dem Stammbaum zu beschäftigen (im Bezug auf mögliche Krankheiten/Risiken und Körperbau) und die eigene Hündin möglichst objektiv und kritisch zu beurteilen. Wie ist ihr Wesen, ihr Körperbau, wie steht es um ihre sichtbare Gesundheit?

    Steht der Zuchtwunsch bereits vorher, sollte im Idealfall der Züchter der zukünftigen Hündin ein guter Ansprechpartner sein und beratend zur Seite stehen.
    Als nächstes stehen ab einem bestimmten Alter die zuchtrelevanten Untersuchungen an. Sie geben Aufschluss über die nicht äußerlich sichtbare Gesundheit.

    Vor oder während der Vorbereitung gibt es auch einige sinnvolle Fragen, die man sich stellen sollte:

    * Warum möchte ich züchten?
    * Habe ich genug Zeit einen Wurf angemessen aufzuziehen?
    * Bevorzuge ich einen bestimmten Typ innerhalb der Rasse?
    * Was sind meine Zuchtziele? (Allein das wäre ein Thema für sich)
    * Habe ich finanzielle Rücklagen, falls es nicht läuft wie erhofft?
    * Habe ich mir mindestens das Basiswissen in Bezug auf Genetik, Deckakt, Trächtigkeit, Geburt und Aufzucht angeeignet?

    Alles ist gut gelaufen, der erste Wurf geboren und vermittelt. Glückwunsch!

    Nun heißt es Geduld haben und Beobachten. Die Entwicklung der Nachzuchten immer im Auge zu haben ist ein wichtiger Bestandteil zum weiteren Aufbau der Zucht.

    Hat der Wurf die Erwartungen erfüllt?

    Wie steht es um Gesundheit, Wesen, Körperbau?

    Jeder Wurf gibt weitere Aufschlüsse über die Vererbung und somit eine bessere Einschätzung für zukünftige Verpaarungen.
    Datenerhebung, -analyse und -verarbeitung sind sogesehen das A und O einer planmäßigen Zucht.
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    Professionelle Zucht

    Bisher wurde ich ein paar Mal gefragt, ob ich eine professionelle Züchterin bin.
    Ich schätze das kommt sehr auf die Definition an. Die Fragenden haben damit gemeint, ob ich die Zucht gewerblich und für den Lebensunterhalt betreibe.
    Das trifft bei mir nicht zu, ich züchte nur hobbymäßig.
    Ich würde mich dennoch als professionell bezeichnen, als professionellen Hobbyzüchter.
    Ich habe mich mit allen möglichen Aspekten der Hundezucht und /-haltung beschäftigt und lerne kontinuierlich dazu. Egal ob es um Pflege (Krallen, Zähne, Ohren, Fell etc.) geht, um Verhaltens- und Erziehungsaspekte, Ernährung, allgemeine Gesundheit (Impfungen, Entwurmungen, Kastration/Sterilisation) oder um Deckakt, Trächtigkeit, Geburt, mögliche Komplikationen, Genetik und Epigenetik sowie Welpenaufzucht und Sozialisierung.
    Ich würde sagen ich weiß was ich tue und wovon ich spreche.
    Ich beschäftige mich mit Stammbäumen, Risiken und Wahrscheinlichkeiten. Jeder einzelne Wurf ist von langer Hand geplant. Ich habe auch stets im Blick was ich langfristig erreichen möchte und wie jeder Wurf sinnvoll dazu beitragen kann.

    AEP, HD, Hyperurikosurie, DCM, Inzuchtkoeffizient, Popular Sire oder Populationsgenetik sind keine Fremdwörter für mich und ein rein schwarz/weißer Wurf aus Lemon x Braun keine Überraschung, da die Farbvererbung eines meiner Lieblingsthemen ist.

    Aus meiner Sicht können Hobbyzüchter sehr professionell sein und gewerbliche Züchter durchaus auch unprofessionell. Das kommt eher auf den Menschen und dessen Einstellung an.

    Ich lerne mit und aus jedem Wurf etwas Neues und das nicht nur bei mir selbst, sondern auch von anderen Züchtern.
    Zucht ist nichts, dass immer genau gleich und nach Schema F abläuft. Jeder Deckakt, jede Trächtigkeit, jede Geburt ist anders. Das macht es so spannend, aber auch stets ein wenig nervenaufreibend.

    Kurz gesagt ist professionelle Zucht für mich die Kombination von breitgefächertem und tiefergehenden Know-How, eine sehr gute Kenntnis der Rasse und ein Handeln im Sinne dieser durch Durchführung von Gentests und Gesundheitsuntersuchungen. Und nicht zuletzt Offenheit und Ehrlichkeit im Umgang mit Problemen!

    Was versteht ihr unter einem professionellen Züchter?
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    Keinen Schritt weiter!

    Jolie beobachtet mit Adleraugen, ob Connor und Lina es ja nicht wagen zu nah an die Wurfkiste zu kommen. Man kann die Anspannung und die Bereitschaft zum Aufspringen in ihrem Blick sehen.

    Bei vielen Züchtern sieht man, dass nicht nur die Mutterhündin in der Wurfbox ist, sondern oft noch eine andere Hündin und beide kümmern sich gemeinsam um den Wurf. Das ist absolut wundervoll und toll anzuschauen, aber bei uns undenkbar!

    Lina und Jolie müssen in den ersten Wochen im Wurfzimmer strikt voneinander getrennt werden, ansonsten kann es zu einer ernsthaften Auseinandersetzung mit Verletzungsabsicht kommen. Weder Lina noch Jolie haben die ersten 2-3 Wochen einen anderen Hund näher als 3m an der Wurfkiste geduldet.

    Im restlichen Haus, Garten oder auf Spaziergängen ist aber alles normal und wie immer, hier verstehen sie sich.

    Und wenn die Welpen 4 Wochen oder älter sind ist es in der Regel auch kein Problem mehr, ab da überlassen die beiden die Kinderschar auch gerne mal jemand anderem um sich eine kleine Auszeit zu gönnen.

    Nicht alle Hündinnen kümmern sich in Harmonie gemeinsam um einen Wurf (und dabei würde Lina ja sooo gerne mitmachen), sondern können zeitweise erbitterte Rivalinnen sein.

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    Kaiserschnitt

    Ein Kaiserschnitt ist heutzutage auch bei Haustieren nichts Ungewöhnliches mehr und kann ein lebensrettender bzw. medizinisch notwendiger Eingriff sein.

    Z.B. weil bei der Hündin keine Wehen einsetzen oder weil ein Welpe zu groß ist oder falsch liegt und damit den Geburtsweg versperrt.

    Jedoch wird meiner Erfahrung nach zu schnell und zu häufig zu einem Kaiserschnitt geraten.
    Er hat natürlich auch Nachteile. Die Wunde kann sich entzünden oder die Hündin nimmt möglicherweise die Welpen nicht an. Die Narkose ist für die Neugeborenen auch nicht ohne.

    Bei uns gab es bisher 1 Kaiserschnitt. „Exclusive Escada“ aus dem E-Wurf wurde so geholt, weil bei Lina nach dem 3. Welpen keine Wehen mehr einsetzten.
    Ich ärgere mich jedoch noch heute, dass ich nicht zuerst auf einen Versuch mit Oxytocin bestanden habe. Lina war auch schon erschöpft und zudem war es über 30 Grad warm, da hatte ich Bammel!
    Aber alles ging gut, dennoch war es wahrscheinlich unnötig.
    Ich musste Maya aber den ganzen Tag anstupsen und bewegen, da ihr Kreislauf sonst schnell absackte. Hätte ich sie einfach liegen lassen wäre sie eventuell an den Narkosenachwirkungen verstorben.

    Beim G- und H-Wurf wollte der letzte Welpe jeweils nicht herauskommen und in beiden Fällen wurde mir auch hier zur OP geraten.

    Diese Male habe ich aber auf mein Gefühl gehört und auf Oxytocin bestanden.
    Beim G-Wurf hieß es anhand des Röntgen der Welpe wäre riesig. War er tatsächlich nicht, er wog auch nur 300g.
    Keine Minute nach der Spritze war er geboren.

    Beim H-Wurf hieß es der Welpe hätte eine komplizierte Lage und falls er quer läge könnte es mit Oxy eine Gebärmutterruptur geben. Ich wusste aber, dass er schon mehrfach im Geburtskanal war, daher bestand eher kein Risiko. Er kam tatsächlich etwas mühsam heraus, aber er kam, ohne OP. Das war die schonendere und 1500€ günstigere Variante.
    Andernfalls hätte ich auch die anderen Welpen in der Klinik lassen müssen, das wollte ich vermeiden.

    Schade finde ich auch, dass die Möglichkeit mit Oxytocin gar nicht erst erwähnt wurde!

    Insofern geht Jolie glücklicherweise Kaiserschnitt-frei in Rente

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    Gaumenspalte / Cleft Palate

    Am Tag nach der Geburt hatten alle Welpen ein wenig abgenommen, für Jolies Würfe nicht ungewöhnlich.
    Am 2. Tag hatte Frau Pink jedoch noch mehr abgenommen und zwar nicht wenig. An den Zitzen war sie zudem sehr motzig und blieb dort nicht lange.

    Daraufhin habe ich ihr Maul kontrolliert und musste feststellen, dass sie eine Gaumenspalte hatte. Damit war auch klar, warum sie so stark abnahm. Sie konnte nicht trinken.
    Leider hatte ich es nicht direkt nach der Geburt bemerkt, da ich nichts gefühlt hatte.

    Eine Gaumenspalte bedeutet, dass die Maulhöhle sowie die Nasenhöhle miteinander verbunden sind. Hierdurch ist es dem Welpen nicht möglich den nötigen Unterdruck aufzubauen, welcher für das Saugen nötig ist.

    Mit diesem Wissen habe ich begonnen sie mit einer Sonde (dünner Schlauch, welcher bis in den Magen geschoben wird) zu füttern. Das war totales Neuland für mich und auch etwas beängstigend.
    Die Tierärztin riet mir aufgrund der Größe der Spalte (man kann sehen, dass diese durchgehend von vorne bis nach ganz hinten in den Rachen geht) sie einzuschläfern.
    Mein Mann und ich wollten es jedoch mit der Sondenernährung probieren, da sie noch sehr munter war.

    Ich fütterte sie alle 2 Stunden und bis zum Abend nahm sie tatsächlich leicht zu.
    Gestern früh war sie dann jedoch schlapper und baute bis mittags weiter ab. Zudem atmete sie rasselnd.
    Nachdem wir entschieden hatten sie doch gehen zu lassen rief mein Mann beim TA an, welcher dafür aber nicht in die Praxis fahren wollte. Nachdem es ihr nun rapide schlechter ging entschieden wir nicht in die über 30min entfernte Klinik zu fahren.

    Wenig später verstarb sie in unseren Händen.
    Dieses kleine Wesen sterben zu sehen hat uns das Herz gebrochen …

    Uns fiel später noch auf, dass ihr After blutverschmiert war, was durch Jolie’s Belecken vorher nicht zu sehen war. Wir vermuten, dass womöglich noch eine innere Verletzung vorgelegen hat.

    Falls es irgendwann nochmal eine Gaumenspalte bei uns geben sollte werde ich wieder um sie kämpfen. Denn dieser Defekt bedeutet keinesfalls zwangsläufig das Todesurteil! Wenn wir sie aufpäppeln können wäre sie in einige Wochen operiert worden um die Spalte chirurgisch schließen zu lassen.
    Danach hätte sie ein ganz normales Leben führen können.

    Heute wird Happy End (so hätte sie heißen sollen, wenn sie es geschafft hätte) im Garten beerdigt.